Meteorkrater Steinheim – Wandern auf den Spuren einer Katastrophe

 Meteorkrater Steinheim – Wandern auf den Spuren einer Katastrophe

In diesem Beitrag erfährst du, wie du den Meteorkrater in Steinheim am Albuch mit einer schönen Rundwanderung erkunden kannst. Zudem gibt es 2021 neue Erkenntnisse zum Ursprung, die du hier ebenfalls nachlesen kannst. Der Weg ist leicht und du solltest 1,5 h einplanen. Für Kinderwagen oder Rollstuhlfahrer ist er nicht geeignet, da der Beginn über einen Trampelpfad bergauf führt.

Wandertipp - Steinheim am Albuch – Baden-Württemberg – Deutschland - viagolla
Auch im Winter ist der Meteorkrater in Steinheim ideal für eine schöne Wanderung

Die Katastrophe

Sie passierte vor ca. 14 bis 15 Mio. Jahren. Ein nur 100 m – 150 m großer Meteorit schlug mit der Gewalt von 18.000 Hiroshimabomben ein. Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber diese Gewalt kann ich mir eigentlich nicht vorstellen. Was für eine furchtbare Zerstörung musste sie angerichtet haben?

Die gesamte Ostalb wurde verwüstet und ein 200 m tiefer Krater entstand an der Stelle, wo sich jetzt die Stadt Steinheim in eine Mulde schmiegt. Der entstandene Krater hat heute einen Durchmesser von 4 km. Früher dachte man, dass der im 50 km entfernten Nördlingen eingeschlagene Teil zum gleichen Asteroiden gehörte. Es wurde vermutet, dass er beim Eintritt in die Atmosphäre auseinanderbrach.

Die Entdeckung des Meteorkraters

Der Krater füllte sich mit Wasser und ein See entstand. Viele Tierskelette blieben dort im sumpfigen Wasser erhalten und sind im Krater-Museum zu bewundern. Im Laufe der Jahrmillionen verschwand der See und keiner beachtete den Krater sonderlich. Seine Ränder sind weitgehend fort erodiert und so fällt er nicht weiter auf.

Nun muss ich ein bisschen ausholen und wieder zum Thema Atombomben kommen. Die USA machten in den 1950ern Atombombentests in der Wüste von Nevada und der Geologe Eugene Merle (Gene) Shoemaker erforschte das Gebiet nach den Tests. Dabei entdeckte er eine Art Glas in den Kratern. Dieser schockierte Quarz (Coesit) entsteht nur bei extrem hohem Druck und Hitze.

Er kam auf die Idee, nach Kratern mit diesem Glas zu suchen und entdeckte, dass viele vermeintliche Vulkankrater von Meteoriteneinschlägen stammten.

Nun gab es den unglaublichen Zufall, dass er bei einem Besuch in Nördlingen auf ein seltsames Gestein in der Kirche aufmerksam wurde. Bisher wurde immer gedacht, der Krater dort sei vulkanischen Ursprungs.

So entdeckte ein Amerikaner durch Zufall den Ursprung des Nördlinger und Steinheimer Kraters als Meteoriteneinschläge durch den Nachweis von Suevit im Gemäuer einer Kirche.

Eine unglaubliche Geschichte – oder? Wenn du dich für Astronomie interessierst, dann hier noch zwei weitere Infos: Der Name Schoemaker kommt dir vielleicht entfernt bekannt vor und ja, er wurde durch den Kometen Shoemaker – Levy 9 weltbekannt. Dieser wurde von Shoemaker und einem Herrn Levy entdeckt und stürzte 1993 spektakulär in den Jupiter. Die Bilder davon gingen um die Welt.

Und als Hauptforscher und Geologe der Mondmissionen von Apollo 11, Apollo 12 und Apollo 13 ist er meines Wissens der einzige Mensch, dessen Asche nach seinem Tod auf den Mond geschickt wurde. Er starb 1999 und die Raumsonde Lunar Prospector gab ihm sein letztes Geleit.

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2021: Neue sensationelle Erkenntnisse zur Entstehung des Kraters

Da das Nördlinger Ries und das Steinheimer Becken nur 40 km auseinander liegen, wurde von Anfang an angenommen, dass sie zur selben Zeit entstanden und es sich um einen Doppeleinschlag handelte. Verursacht entweder durch einen auseinander gebrochenen Meteorit oder durch ein Meteoritenpaar.

Drei Forscher aus Neu-Ulm und Sigmaringen haben jetzt jedoch den Nachweis erbracht, dass beide Krater mit einem Abstand von 500.000 Jahren entstanden sind. Der Krater in Nördlingen lässt sich gut zeitlich datieren. Er ist vor 14,81 Mio. Jahren entstanden. In Steinheim ist die Einordnung nicht genau möglich.

In beiden Kratern entstand nach dem Einschlag ein Kratersee, dessen Fauna und Flora sich jedoch deutlich unterscheiden. Dies ist schon der erste Hinweis auf eine andere Entstehungszeit. Der eindeutige Nachweis lässt sich jedoch ermitteln, wenn man die Erdbebenspuren im Untergrund untersucht.

Durch die gewaltigen Einschläge entstanden Erdbeben, die ganz Süddeutschland bis weit in die heutige Schweiz erschütterten. Das Beben bei Nördlingen hatte vermutlich einen Wert von 8,5 auf der Richterskala. Das Beben von Fukushima hatte z. B. eine Stärke von 9. Um dir einen Hinweis zu geben, wie heftig die Erdbeben waren. Bei einem Wert von 10,6 würde die Erdkruste auseinander brechen. Das wollen wir lieber nicht erleben.

Erdbeben dieser Stärke hinterlassen ihre Spuren in den Gesteinsschichten im Erdinnern. So konnte jetzt nachgewiesen werden, dass das Beben von Steinheim mit seinen Spuren die des Bebens von Nördlingen überlagerte. Um genau zu sein: Zeitversetzt um 500.000 Jahre.

So konnte nun auch endlich das genaue Entstehungsdatum von Steinheim dokumentiert werden. Eine kleine Sensation, die leider aufgrund des Corona-Rummels im Frühjahr 2021 völlig unter ging.

Wenn du mehr über Nördlingen erfahren möchtest, dann schau die meine Wanderung dazu an. Hier findest du noch mehr Infos zu dem Einschlag dort.

Nun kommt aber die eigentliche Wanderbeschreibung in Steinheim am Albuch:

Die Wanderung durch den Meteorkrater

  • 6,1 km
  • leicht
  • 1,5 h
  • Steigung 122 m
  • Abstieg 117 m
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Heimische Orchideen warten auf dich im Sommer

Der Geologischer Lehrpfad Meteorkrater verläuft zu Beginn zusammen mit dem Meteorkrater-Rundwanderweg und Infotafeln erzählen die Geschehnisse. Leider wird die Entdeckung durch Herrn Schoemaker nicht erwähnt. Das erfährst du nur bei mir.

Die Tour beginnt am Sontheimer Wirtshäusle. Dort hat es auch Parkplätze und nach der Tour kannst du dich im Wirtshäusle stärken. Das Essen ist wirklich gut. Die 6 km Wegstrecke verläuft zum Teil auf Feldwegen und auch über 1 km auf schmalen Wanderwegen. Deshalb ist diese Tour für Kinderwagen nicht geeignet und auch gehbehinderte Personen tun sich an manchen Stellen schwer.

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Der Beginn der Wanderung führt erst mal auf den Kraterrand bergauf

Der Weg ist gut ausgeschildert. Du folgst einfach dem blauen Schild mit dem fallenden Meteoriten. Es gibt auch blaue Schilder mit einem Hirschgeweih Meteorkrater-Rundwanderweg – 20 km lang) und auch der Albschäferweg führt hier vorbei. Das Symbol ist ein Schäfer auf blauen Grund. Also schau nicht nur nach blauen Schildern, sondern schau auch nach dem korrekten Symbol.

Das erste Stück führt dich auf einem Pfad bergauf zum südlichen Kraterrand. Hier hast du einen schönen Rundblick auf Sontheim und das Steinheimer Becken. Der Weg führt dich wieder bergab Richtung Osten an Wiesen und Weiden vorbei. Wenn du Glück hast, grasen hier die Kühe des Biohofs, an dem du noch vorbei kommst.

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Kühe sind ganz schön neugierig – schon wieder so komische Zweibeiner….?

Über ein asphaltiertes Sträßchen gelangst du zu einem Feldweg, der sanft bergan führt. Nun wanderst du über Treppen wieder zum Kraterrand und den kleinen Knillwald. Im Schatten des Wäldchens bietet sich eine Pause an, denn hier steht auch eine Bank zum Ausruhen.

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Knillwäldchen

Nach dem Wald biegst du nun nach links ab und der Meteorkrater-Rundwanderweg verlässt hier deine Strecke. Du kommst nun wieder auf einen geteerten Feldweg und es geht hinab in das Kraterbecken. Der Weg führt nun gerade auf den Klosterberg zu. Hier kommst du an zwei Biohöfen vorbei.

Der Klosterberg ist der Überrest des Zentralberges. Durch den Aufprall des Meteoriten wurde das Gestein verdichtet und federte zurück und ein 100 m hoher Berg blieb im Kraterzentrum zurück. Du hast bestimmt schon Zeitrafferaufnahmen von einem fallenden Wassertropfen gesehen. So musst du dir das vorstellen.

Nach dem Anstieg wirst du mit einer schönen Aussicht belohnt und wenn du möchtest, kannst du in der Berghütte Kraterblick einkehren.

Der Weg führt dich nun zu einem Denkmal der Gefallenen der Weltkriege und danach wanderst du wieder auf einem Asphaltweg zu einem Sammelaufschluss. Das ist eine offene Stelle in der Landschaft, wo Grabungen von Besuchern erlaubt sind. Hier solltest du dir wirklich Zeit nehmen und ein bisschen im Boden suchen. Es gibt dort Millionen von winzigen Schneckenhäusern aus der Zeit des Tertiärs. Sie sind zum Teil nur 10 mm groß – achte also auf die kleinen Dinge, die dir die Natur zeigt. Es sind oft besondere Schätze.

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Hier hast du die Möglichkeit Millionen Jahre alte Schneckenhäuser zu entdecken

Weiter geht es nun am Parkplatz des Friedhofs vorbei und entlang der Straße Richtung Sontheim. Hier musst du aber aufmerksam nach den Schildern schauen, denn sonst gehst du die ganze Strecke an der Straße entlang zurück. Das ist aber nicht dein Weg.

Du biegst wieder nach links ab, einem Feldweg folgend und so gelangst du zum Meteorkrater-Museum. Ein Besuch lohnt sich in jedem Fall. Es ist sehr klein und hat deshalb auch nicht immer offen. Infos zu den Öffnungszeiten findest du auf der Internetseite des Museum. Für den Besuch solltest du mindestens 1 h einplanen.

Eine weitere Sensation war, dass man erst vor kurzem einen Rest des Meteoriten im Museum entdeckt hat.

Du liest richtig: Im Museum! Eingeschmolzen in einem Stück Trümmergestein hat er Jahrzehnte auf seine Entdeckung gewartet. Seit 2009 gibt es zudem einen sehr interessanten Film, der im Museum zum Einschlag gezeigt wird.

Nun ist es nicht mehr weit bis zum Parkplatz und ich hoffe du hattest eine schöne Wanderung und konntest die Besonderheit dieses Ortes spüren.

Eine Karte für die Wanderung kannst du hier herunterladen:

viagollas Extratipp

Während der Wanderung kommst du an zwei Biohöfen vorbei, die beide einen Hofladen haben. Diese sind immer offen. Du nimmst einfach die Ware mit und lässt das Geld in Geldboxen zurück.

Wenn du dort einkaufen möchtest, ist ein kleiner Rucksack nicht schlecht. Dann musst du die Sachen nicht in der Hand tragen.

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