Kirchen Italiens – Teil 2 des Osterspezials

 Kirchen Italiens – Teil 2 des Osterspezials

Wie versprochen entführte ich dich heute noch einmal zu den Kirchen Italiens und damit zu den Architekturhighlights einer ganzen Epoche. So war ja der Titel von letzter Woche. Falls du es lesen möchtest, dann gelangst du hier dorthin.

Es war wirklich nicht einfach, weitere Kirchen auszuwählen, aber ich habe ein paar Besonderheiten für dich ausgesucht. Du wartest bestimmt auf Highlights aus Florenz und dein Warten wird heute belohnt: Mit dem Dom dort natürlich.


Kathedrale Santa Maria del Fiore – Filippo Brunelleschis Meisterleistung

Der Dom mit seiner Kuppel ist schon von weitem zu sehen und überragt sämtliche Gebäude der Altstadt in Florenz. Aber das Alles bereitet dich nicht darauf vor, was für eine unglaubliche Fassade dich erwartet, wenn du direkt vor dem „Doumo“ stehst. Verschiedenfarbiger Marmor gliedert die Fassade und das Ganze erinnert an ein Teppichmuster eines teuren orientalischen Kunstwerkes.

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Die Fassade besitzt ein unglaublichen Detailreichtum

Das war so beabsichtigt. Florenz – die Wiege der Renaissance – war die Heimat der Medici, einer der mächtigsten Familien in Italien des Mittelalters. Sie stellten Päpste, förderten die Kunst und Künstler wie Michelangelo und ihre Leidenschaft, Kunstwerke zu sammeln, kannst du in den Uffizien bestaunen.

Der Dom stellt dieses Machtverständnis deutlich zur Schau. Die Größe der Kathedrale ist typisch für die damalige Zeit und sollte zeigen, dass die Florentiner in jede Hinsicht führend sein wollten.

Bemerkenswert ist, dass der Dom aus 3 Teilen besteht, von denen jeder einzelne ein Meisterwerk darstellt. Der Campanile – der Turm – geht auf einen Entwurf von Giotto im Jahr 1334 zurück. Giotto di Bondone war bei der Planung allerdings schon 68 Jahre alt und obwohl er all seine Energie in die Fertigstellung des Turmes steckte, starb er vor Fertigstellung. Nur das erste Geschoss war zu diesem Zeitpunkt errichtet. Andrea Pisano und Francesco Talenti stellten den Bau fertig. Jedoch wurden aus den geplanten 115 m Höhe nur 85 m. Aber das ist immer noch hoch genug, um einen fantastischen Blick auf den Dom und die Altstadt zu erhaschen. Meiner Meinung harmoniert er so auch besser mit dem Dom und ragt nicht zu viel über ihn hinaus.

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Detail der Himmelspforte des Baptisterium

Das zweite Gebäude ist das Baptisterium San Giovanni. Es handelt sich um die Taufkirche des Doms. Neben der unglaublichen Deckenbemalung mit Szenen aus der Hölle findest du hier die berühmten Bronzetüren, die Geschichten aus der Bibel darstellen und in Dan Browns „Inferno“ als Himmelspforten bezeichnet werden. In seinem Buch habe ich übrigens mehr über Florenz und seine Geschichte gelernt als durch den Reiseführer.

Nun aber zurück zum eigentlichen Dom und seiner Kuppel. Diese gilt als Hauptwerk Brunelleschis und ist eine technische Meisterleistung der frühen Renaissance. Du kannst sie besteigen und wie bei allen Besichtigungen solltest du das früh morgens machen. Florenz ist ein Touristenmagnet ohne Gleichen und normalerweise entsprechend überlaufen. Zumindest war es das vor Corona.

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Blick auf die Glocken im Campanile von der Kuppel aus

Die Bemalung der Kuppel stammt von Giorgio Vasari, von dem auch der berühmte Korridor stammt, und ist vom Innenraum kaum richtig zu sehen. Bei der Besteigung der Kuppel gelangst du aber zu einer umlaufenden Galerie, von wo aus du den Teufel, den Himmel und die Heiligen aus Sicht der damaligen Renaissance betrachten kannst. Dante ist hier nicht unschuldig, dass alles so düster dargestellt wurde und seine „Göttliche Komödie“ mit ihrer Beschreibung von Hölle und Fegefeuer brachte der Kirche mehr Zulauf als die damaligen Geistlichen. Im Innern des Domes findest du übrigens eine Darstellung von ihm, dem Berg des Fegefeuers und dem Dom.

Der gotische Dom von Siena – das Wunder der Bodenmosaiken

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Der Dom von Siena (Cattedrale Metropolitana di Santa Maria Assunta) ist die Mutterkirche des Erzbistums Siena in der Kirchenregion Toskana. Bevor du aber seinen berühmten Boden betrachten kannst, wird dich erst einmal die Fassade des Domes in seinen Bann ziehen. Wie in Florenz ist auch diese mit buntem Marmor verkleidet. Auffällig ist hier der gestreifte Campanile. Der Turm ist abwechselnd mit weißem und dunkelgrünem Marmor verkleidet. Dieses Streifenmuster setzt sich auch im Innern an den Säulen fort und verleiht dem Dom ein unverwechselbares Aussehen – als sei ein Zebra dafür Portrait gestanden.

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Der Dom gilt zudem als bedeutendstes Beispiel der gotischen Architektur in Italien. Der Bau begann im 13. Jh. und Giovanni Pisano war an der Gestaltung der Fassade beteiligt. Der Campanile stammt aus der ersten Hälfte des 14. Jh. und ist in Anlehnung an romanische Glockentürme gebaut worden. 1339 wurde der bestehende Bauplan nochmals geändert, um mit dem Dom in Florenz konkurrieren zu können.

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Sienas Wappen – die Wölfin – auf einer Säule vor der strahlenden Fassade

Doch bereits 9 Jahre später begann die Pest zu wüten und in der darauffolgenden Wirtschaftskrise wurden die Arbeiten 1357 eingestellt. Was Pandemien bewirken können, spüren wir ja gerade selbst. Jedoch gibt es immer 2 Seiten der Medaille. Nur durch den Baustopp ist die gotische Grundstruktur erhalten geblieben.

Die Bodenmosaiken

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Siena hat dasselbe Wappen wie Rom: Die Wölfin mit Zwillingen

So nun kommen wir zu den Mosaiken und diese Kirche ist die einzige meines Wissens, die Poster vom Fußboden verkauft. Seine Erstellung dauerte sagenhafte 600 Jahre. Da soll mal einer sagen, der Bau des Flughafens in Berlin habe zu lange gedauert. Vom 14. Jh. bis zum 19. Jh. entstanden so über 60 Szenen aus der Bibel und Stadtgeschichte. Der Boden ist zum größten Teil abgesperrt, jedoch führen die Wege so durch die Kirche, dass du alles sehen und in Ruhe bewundern kannst.

Die Piccolomini-Bibliothek

Dieser einmalige Fußboden ist schon unglaublich, aber die Kirche hat noch ein weiteres Schatzkästchen zu bieten: Die Gewölbe der Piccolomini-Bibliothek. Fast wäre ich an diesem zauberhaften Raum vorbei gegangen. Nur der ständige Strom von Besuchern machte mich neugierig. Der Eingang befindet sich am linken Seitenschiff und sie wurde 1492 erbaut. Die gesamte Decke und Wände sind mit Fresken bedeckt ein.

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Die Wände erzählen in Bildern die Geschichte von Papst Pius II. Und die Decke ist mit in golden, blau und rot gehaltenen Mustern bedeckt. An den Wänden befinden sich Schaukästen mit riesigen mittelalterlichen Büchern und eigentlich reicht mein Wortschatz nicht aus, um die Bibliothek zu beschreiben: Unglaublich, außergewöhnlich und einzigartig trifft es vielleicht am ehesten.

Basilika San Petronio – der unvollendete Riese Bolognas

Basilika San Petronio ist die Hauptkirche von Bologna und wurde nie fertig gestellt. Trotzdem ist sie mit 132 m Länge, 60 m Breite und 45 m Höhe die fünftgrößte Kirche der Welt und die größte Backsteinkirche überhaupt.

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Der Dom wirkt von außen gar nicht so groß – aber von innen ist er gigantisch

Wenn du nach Bologna kommst, wird dir auffallen, dass viele Gebäude terracottafarben sind und zig Nuancen die gesamte Stadt überziehen. Viele Städte können übrigens über eine Farbe definiert werden und besonders schön finde ich, dass sich dieses Farbenspiel in der Basilika fortsetzt.

Der Bau dieser gotischen Kirche geht auf das Jahr 1390 zurück und der Heilige Petronius ist der Schutzpatron der Stadt. Nach der ersten Gestaltung der Fassade, die nur 3 Jahre dauerte, begannen die Arbeiten an den Seitenkapellen, die erst 1479 vollendet wurden. Die Dekorationen im Mittelschiff wurden von 1646 bis 1658 von  Girolamo Rainaldi gefertigt.

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Karl V wurde hier zum Kaiser gekrönt

Die Basilika war von Anfang an berühmt und so verwundert es nicht, dass Karl V sie für seine Kaiserkrönung durch Papst Clemens VII. im Jahr 1530 wählte. Ursprünglich hätte sie sogar größer als der Petersdom in Rom werden sollen.

Das traurigste Kapitel ihrer Geschichte fand 2002 statt, als ein Terroranschlag von Al-Qaida vereitelt wurde. 5 Männer wollten die Basilika in die Luft sprengen.

Die Sonnenuhr, die zum Schaltjahr führte

Aber das ist nicht der Grund, warum ich die Kirche für dieses Spezial gewählt habe, sondern wegen einem winzigen Loch im Dach. Und – kaputt denkst du nun vielleicht, aber das Loch ist ganz bewusst an dieser Stelle, denn durch dieses fällt das Sonnenlicht auf eine am Boden eingelassene Leiste. Diese Leiste hat eine Länge von 66,8 m und ist damit die größte Sonnenuhr der Welt.

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Kurz nach Mittag zeigt die Sonne das genaue Datum auf der Sonnenuhr

Aber das Unglaubliche ist, das mit einem Loch im Dach und einer Metallschiene auf dem Boden eine Abweichung des Julianischen Kalenders entdeckt wurde. Dieser Kalender wurde 45 v. Chr. durch Julius Caesar eingeführt und bezeichnet den ältesten Solarkalender überhaupt. Diese Abweichung, die hier in der Kirche entdeckt wurde, führte als weiteres Puzzleteilchen dazu, dass im 16. Jh. schrittweise der gregorianische Kalender eingeführt wurde, der in astronomischer Hinsicht verbessert war. In letzter Konsequenz bedeutet dies also die Erkenntnis, dass ein Schaltjahr alle 4 Jahre notwendig ist und alle am 29. Februar geborenen Leser werden mir hier bestimmt zustimmen.

Notre Dame – das tragisch Opfer von Flammen

Zum Abschluss möchte ich noch kurz Notre Dame gedenken. Das ist zwar keine italienische Kirche, als sie jedoch im 15. April 2019 abbrannte, stand ich mit Tränen in den Augen vor dem Fernseher. All die Kunstwerke, die unwiederbringlich verloren sind, all die Schönheit, die nicht mehr bewundert werden kann und doch die Hoffnung, dass hier etwas Neues, etwas Besonderes entsteht.

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Notre Dame vor dem Brand – noch mit Vierungsturm

Diese Hoffnung und Schönheit wollte ich mit diesem Beitrag vermitteln und ich hoffe, ich habe dir damit eine Freude gemacht. Gerne hinterlasse mir einen Kommentar. Ich freue mich auf jede Rückmeldung.


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