Kirchen Italiens – eine Reise zu den Architektur-Highlights einer ganzen Epoche

 Kirchen Italiens – eine Reise zu den Architektur-Highlights einer ganzen Epoche

Willkommen zu meinem Osterspezial. Lange habe ich überlegt, was ich dieses Jahr an Ostern schreiben soll. Nachdem Reisen nicht so einfach ist, habe ich mich entschieden, dich zu den architektonischen Schätzchen in Norditalien zu entführen und was eignet sich besser an Ostern als Kirchen? Weil das aber wirklich viele sind, schreibe ich das Spezial in mehreren Teilen – lass dich überraschen.

Osterspezial – Teil 1

Ich wünsche dir schöne Ostern – viel Freude mit meinem Beitrag und das Wichtigste von allem: Viel Gesundheit.


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Markusdom – die goldene Basilika Venedigs

Wenn du schon mehrere Beiträge von mir gelesen hast, weißt du, dass ich ein Fan von Dan Brown bin. Er beschreibt in seinen Büchern die Kunstwerke, Gebäude und Städte so, dass du sie unbedingt sehen musst. Ich war schon an vielen Originalschauplätzen in Paris, London, Edinburgh, Florenz und sein Buch „Inferno“ hat mich nach Venedig verschlagen.

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Markusdom – Markusplatz – Venedig

Im Buch ist die Rede von Suchet den verräterischen Dogen von Venedig, der Rössern den Kopf abschlug. Hier sind natürlich die Pferde vor dem Markusdom gemeint und nur wenn du diese in echt sieht, wird dir die Erhabenheit dieser Kunstwerke bewusst.

Die erste Kirche, die dem heiligen Markus geweiht wurde, wurde bereits 829 – 832 erbaut. Diese Kirche wurde leider ein Opfer von Feuer und der heutige Dom wurde 1063 – 1094 errichtet. Da zu dieser Zeit die die Herrschaft der Dogen ihre Blütezeit hatte, ist es nicht verwunderlich, dass sich der Dom gleich neben dem Dogenpalast befindet.

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Die Architektur lehnt sich an byzantinische Vorbilder an und bildet ein ungleichmäßiges Kreuz. Die Fassade ist in zwei Stockwerke geteilt und repräsentiert den Anspruch von San Marco als Staatskirche Venedigs und ist zugleich Zeichen des Triumphs über Konstantinopel beim Kreuzzug von 1204.

Richtig spektakulär wird es aber, wenn du den Innenraum betrittst. Er gilt als Höhepunkt der Mosaikkunst des Abendlandes. Die Mosaiken sind aus Muranoglas auf Goldgrund und brachten dem Dom auch den Namen „Goldene Basilika“ ein. Die Mosaiken sind alle so unebenen aufgebracht, dass auftreffendes Licht in alle Richtungen reflektiert wird.

Innen ist fotografieren leider nicht erlaubt – du musst es dir vor dem inneren Auge erscheinen lassen: Stell dir also den Dom mit Kerzenschein beleuchtet vor – das Licht golden reflektiert in alle Richtungen. Ein unglaublicher Anblick für die Menschen damals.

Die Pferde von San Marco

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Die Rösser von San Marco

Das Vierergespann, welches du im oberen Stock der Fassade von außen sehen kannst, ist eine Kopie der 1204 aus Konstantinopel geraubten Pferde. Diese aus vergoldeter Kupfer bestehenden Meisterwerke waren Teil einer Quadriga und sind das einzige erhaltene antike Vierergespann weltweit. Sie entstanden im 1. Jh. und stammen aus Rom, Griechenland oder Alexandrien. Du darfst dir aussuchen, wer sie von wem gestohlen hat.

Ursprünglich standen sie auf dem Triumphbogen von Kaiser Nero in Rom. Kaiser Konstantin der Große nahm sie mit nach Konstantinopel und gab ihnen im Hippodrom eine neue Heimat. 1204 wurde Konstantinopel im Vierten Kreuzzug erobert und sie kamen als Kriegsbeute nach Venedig. Für den Transport wurden ihnen die Köpfe abgetrennt, wie du spätestes jetzt oder nach Lektüre von Inferno wissen solltest.

Die Plastiken sind 1,60 m groß und wiegen 875 kg. Erstaunlich ist, dass sie nicht aus Bronze hergestellt wurden, sondern aus Kupfer. Das ist viel schwieriger zu bearbeiten, jedoch leichter zu vergolden. Zudem sind sie nur aus 2 Teilen gegossen und ihre Oberfläche war eingeritzt. So blendeten sie in der Sonne nicht und sahen noch lebensechter aus. Ein wahres Meisterwerk also.

Cappella degli Scrovegni – Giottos Meisterwerk in Padua

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Die Scrovegni Kapelle macht von außen nicht viel her. Es handelt sich um eine rechteckige Halle mit Tonnengewölbe, gotischen Dreifachlanzettenfenster und mit gerader Fassade. Bei ihrer Geschichte wird es schon interessanter, denn im Jahr 1300 entscheidet der reiche Banker und Kaufmann Enrico Scrovegni für sich und seinen Vater Rinaldo eine Kapelle zu stiften. Dieser hat seinen Reichtum nämlich durch Wucher ergaunert und Rinaldo Scrovegni hat sich damit sogar einen Platz in Dante Alighieris „Göttlichen Komödie“ gesichert und zwar in der Hölle. Solltest du Dante nicht kennen, dann empfehle ich dir wieder Dan Browns „Inferno“. Der beschreibt die Hölle sehr ausführlich und im Gegensatz zum Original sehr verständlich. Ich habe Dante gelesen. Nicht ganz einfach – wirklich.

Da Enrico also Geld hatte und Angst vor der Hölle, suchte er die besten Künstler seinerzeit, um die Kapelle auszuschmücken und Gott zu gefallen. So heuerte er Giotto di Bondone und Giovanni Pisano an. Die Scrovegni-Kapelle wurde dann 1303 bis 1305 gebaut und ist der Heiligen Maria der Nächstenliebe gewidmet.

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Der dreiköpfige Teufel verspeist die Sünder reihenweise

Giottos Fresken, die das Leben der Jungfrau Maria und Christi erzählen bedecken alle Wände und es wird dich freuen zu lesen, dass auch ein großer Teil für die Hölle reserviert ist – mit dreiköpfigem Teufel natürlich. Diese Fresken gelten als vollständigste Serie von Fresken, die Giotto je erstellt hat. Sie waren damals so außergewöhnlich, dass die Menschen von weit anreisten, nur um sie zu sehen.

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Enrico Scrovegni und sein Vater übergeben die Kapelle den Heiligen

Der Maler und Baumeister Giotto gilt als der entscheidende Wegbereiter der italienischen Renaissance. Es war die Zeit, in der die Künstler anfingen, Menschen so darzustellen, wie sie wirklich aussahen, handelten und lebten. Davor waren die Zeichnungen und Gemälde schematisch und du kennst bestimmt die mittelalterlichen Darstellungen von unförmigen Menschen mit goldenem Heiligenschein. In der Kapelle hier siehst du Menschen bei der Kreuzigung Christi weinen, die Gewänder zeigen jede Falte und ganze Bibelszenen sind dargestellt. Unglaublich, dass die Kapelle in nur 2 Jahren fertig gestellt wurde.

Leider sind die Fresken sehr stark verwittert und so betrittst du die Kapelle durch eine Luftschleuse und du darfst dich nur eine kurze Zeit im Gebäude aufhalten. Es ist auch nur eine begrenzte Besucherzahl erlaubt. Zur Überbrückung der Wartezeit, die die Luftschleuse zum Luftaustausch benötigt, wird ein kurzer Film gezeigt, der die Besonderheit dieser Kapelle und ihre Geschichte erläutert.

San Vitale – das grüne Wunder von Ravenna

Die Kirche San Vitale in Ravenna zählt zu den bedeutendsten Kichenbauten aus der spätanitk-frühbyzantinischen Zeit. Ihr Bau begann 537 und dauerte nur 10 Jahre. Sie stellt mit ihren Türmen und Bögen die Verbindung der Architektur des Oströmischen Reiches mit der für damalige Zeiten typischen italienischen Baukunst dar. Kaiser Justinian I führte damals Krieg gegen die Ostgoten in Italien und so findest du auch einen ostgotischen Einfluss in der Architektur.

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Die Architektur des Gebäudes ist von außen schon etwas Besonderes, jedoch wird dir der Mund offen stehen bleiben, wenn du das innere betrittst. Denn dann erblickst du die berühmten Mosaiken dieser Kirche. In einer 1.500 Jahre alten Kirche hatte ich alles Mögliche erwartet, aber wirklich nicht das hier.

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Detail aus der Absiskupel

Vor allem in dem Altar- und Apsisbereich dominierten Mosaiken mit unglaublichen Blau-, Grün- und Goldtönen. Du findest hier die Darstellung der 12 Aposteln und Christus, Tiere, Pflanzen und Ornamente. Und ganze Szenen aus dem Alten Testament sind hier dargestellt, wie z. B. die Opferung Isaaks durch Abraham. Zum Glück musste Abraham seinen Sohn dann doch nicht töten – falls dir die Geschichte nicht mehr ganz so parat ist.

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Obwohl auch der Fußboden außergewöhnlich ist, zieht es deinen Blick sofort nach oben

Du bestaunst hier aber auch aberwitzige Bodenmosaiken und bunte Marmorsäulen. In der Kuppel findest du Bildschmuck aus dem 18. Jahrhundert, die neben den alten Teilen der Kirche seltsam unpassend scheinen. Die Mosaiken in weiten Teilen der Kirchenböden erinnern mich stark an die Muster von Böden, die ich schon in Ausgrabungsstätten alter Römervillen gesehen habe. Hier ein Vergleich mit portugals Römerausgrabungen.

Nicht umsonst ist die Kirche von San Vitale seit 1996 UNESCO-Welterbe und da es hier noch weitere solcher bedeutender Mosaikdarstellungen gibt, bleibe ich in Ravenna und entführe dich noch in das Mausoleum der Kaiserin Galla Placidia .

Mausoleum der Kaiserin Galla Placidia – Ort der Erlösung

Auch dieses Gebäude ist seit 1996 UNESCO-Welterbe und ist sogar noch älter als die Kirche San Vitale. Das Mausoleum wurde für Kaiserin Galla Placidia errichtet. Sie war die Tochter von Kaiser Theodosius dem Großen und starb 450 in Rom.

Die Mosaike des Mausoleums haben als zentrales Thema „die Erlösung„. Welches Thema würde sich deshalb besser für ein Osterspezial eigenen? Zumal wir im Augenblick mit der Coronakrise leben müssen und wir an Ostern nicht einmal wie sonst unsere Familien sehen dürfen und viele mit Existenzsorgen zu kämpfen haben.

Halte durch und freue dich an den kleinen Dingen im Leben. Das habe ich durch Corona gelernt: Die Selbstverständlichkeit mit der wir Dinge wahrnehmen ist nichts weiter als falsche Sicherheit und verhindert, uns am Alltäglichen zu freuen.


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