Hanoi – Hauptstadt Vietnams

 Hanoi – Hauptstadt Vietnams

Die Hauptstadt Hanoi liegt im Norden Vietnams und ist die zweitgrößte Stadt des Landes mit fast 7 Mio. Einwohnern. Der Name heißt übersetzt „Stadt zwischen den Flüssen. Ich habe meine Reise hier begonnen und kann das nur empfehlen, denn die Stadt hat noch nicht den Charakter einer Großstadt. Alle Sehenswürdigkeiten kann man zu Fuß erkunden.

Anreise

Der Flughafen liegt außerhalb der Stadt und man kann mit dem Bus 86 in die Stadt fahren. Meiner hatte ein handgeschriebenes Schild am Fenster. Ich kann also nicht sagen, ob es der offizielle Bus war. Er hat aber dasselbe gekostet und der Fahrer hat die Leute da aussteigen lassen, wo sie wollten. Fälschungen sind hier üblich, aber solange kein Schaden entsteht, ist das meiner Meinung nach nicht schlimm.

Orientierung

Die Stadt kann man grob in zwei Bereiche untergliedern: Das Französische Viertel im Süden der Stadt und im Norden am Hoan Kiem See die Altstadt mit seinen verwinkelten Gassen. Ich empfehle dir zwei bis drei Tage für die Besichtigung einzuplanen, denn es gibt einiges zu erkunden.

Und wer keine Lust mehr auf Besichtigungen hat, kann gemütlich den Park am See genießen und den Vietnamesen beim Tai Chi zusehen, die Brautpaare beim Fotoshooting beobachten oder einfach nur genießen und das exotische Leben um einen herum betrachten.

Folgende Highlights kann ich empfehlen:

Den Ngoc Son Tempel

Vietnam Hanoi - Den Ngoc Son Tempel

Es gibt unzählige Tempel zu besichtigen, der Den Ngoc Son (Jadeberg Tempel) ist einer der schönsten. Er liegt im Hoan Kiem See und ist über die 1875 gebaute Huc-Brücke erreichbar. Beeindruckend ist das hier konservierte Exemplar einer Weichschildkröte aus dem See. Es ist 2,10 m lang und 1,20 m breit.

Diese Schildkröten sind Teil einer bedeutenden Legende: Der Held Le Loi soll ein Schwert beim Fischen im See erhalten haben. Nach 10 Jahren brachte er es dem Geist des Sees zurück, um ihm zu danken und eine riesige Schildkröte erschien und holte das Schwert zurück. Bilder von Schildkröte und Schwert sind in der ganzen Stadt zu finden.

Literaturtempel

Vietnam Hanoi - Literaturtempel

Dieser Tempel ist der Bekannteste des ganzen Landes. Seine Anfänge gehen bis zum Jahr 1070 zurück. 111 v. Chr. bis 944 n. Chr. war Vietnam unter Chinesischer Herrschaft. Diese 1.000 Jahren haben das Land und die Kultur nachhaltig geprägt. Die Chinesen führten ein System von Beamten und Staatsbediensteten ein, die in diesem Tempel ausgebildet wurden.

Im dritten Hof des Tempels findet man zum Beispiel Stein-Schildkröten mit Stehlen auf ihren Rücken. Hier sind alle 1.306 Namen der Absolventen festgehalten. Es gibt Ausstellungen zum Alltag der Studenten und man erfährt viel über das damalige Leben. Das Gelände ist riesig und du solltest dir wirklich Zeit für die Besichtigung nehmen.

Hoa Lo Gefängnis

Vietnam Hanoi - Hoa Lo Gefängnis

Das Hoa Lo Gefängnis liegt nicht weit vom Literaturtempel entfernt und ist meiner Meinung nach elementar wichtig, um die Geschichte des Kommunismus hier im Land zu verstehen. Das Gefängnis wurde 1904 von den Franzosen gebaut, um den Widerstand in Vietnam zu bekämpfen. 1858 fingen die Franzosen an, Städte in Vietnam anzugreifen und unter Französische Herrschaft zu bringen. 1867 wurden diese Gebiete offiziell von Frankreich zur Kolonie Cochinchina erklärt.

Vom Gefängnis ist nur ein kleiner Teil erhalten, zeigt jedoch sehr ausführlich, mit welcher Grausamkeit die Franzosen versuchten, die Unabhängigkeitsbewegung zu unterdrücken. Und wie so oft im Leben erreichten sie damit das genaue Gegenteil. Die Inhaftierten erdachten sich ausgeklügelte Systeme, um Nachrichten zu verbreiten und die gesamte spätere kommunistische Führung saß zuvor hier ein.

Im Vietnamkrieg wurden hier die Amerikaner inhaftiert. Sie nannten es sarkastisch Ha Noi Hilton und den Namen hast du bestimmt schon mal gehört. Im Gegensatz zu den Franzosen behandelten die Vietnamesen ihre Gefangenen aber ordentlich und ein Insasse wurde sogar nach dem Friedensvertrag der erste Amerikanische Botschafter in Vietnam.

Museum für Militärgeschichte

Vietnam Hanoi - Museum für Militärgeschichte

Wenn du nun noch ein wenig mehr über den Amerikanischen Krieg erfahren möchte, solltest du einen Abstecher in das Museum für Militärgeschichte machen. Als ich dort war, war der Innenbereich geschlossen, jedoch ist auch der Außenbereich genügend interessant, dass sich ein Besuch lohnt.

Hier findet man neben Flugzeugen und Hubschraubern auch alle möglichen Panzer, Mörser, Kanonen, Bomben und Bombenüberreste. Und alles ist schön mit Bonsaibäumchen umstellt. Vietnamesische Kinder lassen sich vor dem Kriegsgerät in entsprechenden Posen fotografieren und nach dem Besuch hat man doch einiges zum Nachdenken.

Ho-Chi-Min-Haus

Vietnam Hanoi - Ho-Chi-Min-Haus

Hinter dem Ho-Chi-Min-Mausoleum kann man das einfache Stelzen-Haus besichtigen, in dem Ho Chi Min von 1954 bis zu seinem Tod 1969 lebte. Den Präsidentenpalast, der daneben steht, hat er nie benutzt.

Das Leben von Ho Chi Min und die Geschichte des Kriegs

Er studierte vor dem Zweiten Weltkrieg in Paris. Nach der Kapitulation Deutschlands im Zweiten Weltkrieg ging der Freiheitskampf in Vietnam weiter. Der Süden war Französische Kolonie. Ho Chi Min war sogar Spion für die Amerikaner. Im September 1945 deklarierte Ho Chi Min die Unabhängigkeit von ganz Vietnam und bezog sich auf die Amerikanische Unabhängigkeitserklärung und auf die Französischen Ideale von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Eigentlich schon die große Ironie der Geschichte, da Vietnam später gegen beide Länder kämpfte.

Nach etlichem Hin und Her wurden Wahlen abgehalten, jedoch blieb der Süden Französisch. 1946 kam es dann zum Französischen Krieg, der bis 1954 dauerte. Als die Franzosen verloren, blieb das Land geteilt und eine konstitutionelle Monarchie wurde mit Hilfe des Westens eingerichtet. Ngo Dinh Diem verzichtete auf Wahlen und regierte mit harter Hand. Innerhalb seiner ersten beiden Regierungsjahre starben 12.000 Oppositionelle. Als die Vetternwirtschaft immer mehr zunahm, kam es zu immer stärkeren Unruhen, die mit der Selbstverbrennung von Buddhistischen Mönchen endete.

Der Vietnamkrieg

1964 sahen sich die Amerikaner gezwungen, einzugreifen nachdem Gespräche gescheitert waren, eine Friedenslösung für den pazifischen Raum zu finden. Sie unterstützten den Süden gegen den Norden und so eskalierte der Konflikt bis zum Krieg, der bis 1975 dauerte. Dieser als Vietnamkrieg bekannte Krieg brachte auf beiden Seiten unendliches Leid. Vermutlich starben während des Krieges von 1960 bis 1975 mehr als 1,7 Mio. Vietnamesen. Massentötungen vor und nach dem Krieg, Opfer aus Laos und Kambodscha deuten jedoch eher auf eine Opferzahl von 4 Mio. Menschen hin. Auf Amerikanischer Seite starben fast 60.000 Soldaten. Über die Hälfte war jünger als 21 Jahre. Als offizielles Ende des Kriegs gilt der Tag, als die Truppen des kommunistischen Nordens in Saigon den Königspalast besetzen und die letzten Amerikaner abzogen.

Seit 1975 ist Vietnam nun vereint. Doch noch heute leiden die Menschen unter den Kriegsfolgen. Landmienen sind immer noch im Dschungel verteilt und so darf er nur auf erkennbaren Wegen erkundet werden. In manchen Flüssen und Bächen sollte man heute immer noch nicht baden, da sie immer noch hochgradig verunreinigt sind. Es werden immer noch missgebildete Kinder geboren und leider sieht man immer noch Menschen mit Kriegsverletzungen.

Und jeder der jetzt sagt, ja das waren andere Zeiten, der sollte doch bitte sehr aufmerksam die Nachrichten verfolgen. Hass und Gewalt gibt es immer noch und immer wieder neu und deshalb dürfen diese Kriege und deren Ursachen nicht vergessen werden.

Ho-Chi-Min-Mausoleum

Vietnam Hanoi - Ho-Chi-Min-Mausoleum

Hier kann man den Leichnam von Ho Chi Min aufgebahrt betrachten und ihm Ehre erweisen. Und das, obwohl Ho Chi Min das nicht wollte. Von September bis Dezember ist es geschlossen, da der Leichnam von Herrn Ho dann in Russland wieder aufgehübscht wird. Das Gebäude ist aber auch von außen sehr beeindruckend und der Park drumherum lohnt in jedem Fall einen Besuch. Das Wohnhaus von Ho Chi Min ist ebenfalls nicht weit von hier.

Besonders fasziniert war ich von den Soldaten. Ich habe noch nirgends so nette junge Männer beim Wachestehen gesehen. Wenn man sie grüßt, strahlen sie einen an und sind sehr höflich. Die Menschen hier sind einfach etwas Besonderes.

Wasserpuppentheater

Vietnam Hanoi - Wasserpuppentheater

Diese Form des Theater soll schon über 1.000 Jahre alt sein. Der Legende nach ist sie aus der Not heraus entstanden. Es regnete so stark, dass alles überschwemmt war. Die Puppenspieler in einem Dorf machten aus der Not heraus ihre Vorführung im Dorfteich stehend.

Wie schaut das dann heute aus?

Die Künstler stehen bis zur Hüfte im Wasser, verdeckt von einem Vorhang und bewegen ihre Puppen mit Stangen. Somit sind sie nicht zu sehen. Gespielt werden Alltagsszenen, die man auch ohne Sprachkenntnisse versteht. Es gibt feuerspeiende Drachen ebenso wie Liebespaare, Bauern bei der Reisaussaat und beim Fischefangen, Helden und Bösewichte. Und die Puppen können sich um 360° drehen und haben zum Teil bewegliche Gliedmaßen. Das mit dem Drehen ist mir bis heute ein Rätsel – wie funktioniert das???

Besonders schön ist das Liveorchester, dass die Puppenspieler begleitet. Mit Gesang und den exotischen Musikinstrumenten Vietnams.

viagollas Extratipp

Das Stück dauert ca. 50 min. und findet in einem klimatisiertem Saal statt. Also solltest du warme Kleidung bzw. Kleidung zum Wechseln nicht vergessen.

1+

Neueste Beiträge

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.