Bundesfestung Ulm – folge mir zu Ulms Vergangenheit

 Bundesfestung Ulm – folge mir zu Ulms Vergangenheit

In diesem Beitrag erfährst du alles Wissenswerte zu der Bundesfestung Ulm, die als größtes erhaltenes Festungsensemble in Deutschland zählt. Mit seinen 9 km Hauptumwallung hatte Ulm zudem die größte Befestigung des 19. Jahrhunderts. Nur 4 weitere Städte wurden vom Deutschen Bund mit einer solchen Festungsanlage ausgestattet. Dies waren Landau, Luxemburg, Mainz und Raststatt.

Falls dich die Festung nicht interessiert und du auf der Suche nach allgemeinen Tipps zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt Ulm bist, dann schaue dir meinen Beitrag dazu an. Hier findest du den Link dazu.


Die Bundesfestung Ulm – was ist das?

Von Napoleon hast du bestimmt schon gehört. Aber dass er für das Erscheinungsbild der Stadt Ulm maßgebend war, wahrscheinlich nicht? 1804 wurde er in der Kirche Notre Dame in Paris zum Kaiser der Franzosen gekrönt. Seine Feldzüge überzogen ganz Europa mit Krieg und erst der kalte russische Winter stoppte seinen Größenwahn. 1815 wurde er in der Schlacht von Waterloo endgültig geschlagen.

Danach machten sich alle europäischen Staaten Gedanken über den Ausbau ihrer Verteidigungsanlagen. So leicht wollte man sich nicht mehr überrumpeln lassen. In Deutschland wurden fünf Bundesfestungen geplant, die neben den Landesfestungen für die Verteidigung des Landes zuständig waren.

Ulm war nicht nur eine davon, sondern war nach Fertigstellung der Bundesfestung war sie Europas größte Festungsanlage.

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Bau der Bundesfestung

Die Planung und Bau dauerten von 1842 bis 1859. Es war vorgesehen, dass in Friedenszeiten 5.000 Soldaten hier ihren Dienst taten. Im Kriegsfall sollten zu Beginn 20.000 Soldaten die Verteidigung übernehmen und wurden bis zum Ende des Baus auf 100.000 Mann erweitert.

Die Baukosten sollen 16, 5 Mio. Gulden verschlungen haben. Eine unglaubliche Summe zur damaligen Zeit.

Wenn ich dir nun aber beschreibe, wie das Ganze aussah, dann musst du gestehen, dass es dafür eigentlich recht günstig ist:

Ein polygonaler Mauerzug umschloss die Städte Ulm und Neu-Ulm. Vorgelagerte Forts und das Glacis sicherten die Stadt. Glacis ist ein Fachbegriff des europäischen Festungsbaus und beschreibt die Sicherung des Festungsvorfeldes. Eine flach auslaufende Erdanschüttung außerhalb des Festungsgrabens führte dazu, dass der Angreifer keine Deckung fand. An der Außenkante des Grabens wurde eine steile Böschung aufgeschüttet, um die Erstürmung des Grabens zu erschweren. Um dir eine ungefähre Vorstellung der unglaublichen Erdbewegungen damals zu geben: Die heutige Glacisfläche, die in einen Park für Naherholung der Ulmer umgewandelt wurde, beträgt 500.000 m². Damals umschloss die komplette Anlage 2 Städte!

Ich erkläre das so ausführlich, denn ich habe mich früher immer gefragt, wo der Name des Glacisparkes herkommt und erst beim Tag des Offenen Denkmals habe ich endlich die Lösung dafür bekommen.

1881 bis 1887 wurden die Festungsanlagen nochmal verstärkt, da sich die Geschütztechnik weiter entwickelte hatte. Die Weiterentwicklung der Waffentechnik führte auch dazu, dass die Bundesfestung nie im Kriegseinsatz war. Als sie endlich fertig gebaut war, war sie schon veraltet.

So ist sie bis heute erhalten und gilt als größtes erhaltenes Festungsensemble Deutschlands.

Mehr über die Geschichte Deutschlands findest du übrigens auf meiner Deutschlandseite. Dort sind auch alle anderen Blogartikel über deutsche Reiseziele verlinkt. Schaust du aber nach konkreten Reiseinformationen für Baden-Württemberg dann schau bei meiner Seite über dieses Bundesland nach.

Die Festung heute

Alle Teile der Bundesfestung zu erklären würde den Rahmen des Beitrages sprengen und alle habe ich zudem noch nicht gesehen. Bei Interesse kannst du gerne den Förderkreis Bundesfestung Ulm e. V. kontaktieren oder Infomaterial auf deren Internetseite bestellen. Zudem gibt es noch Informationen auf der Seite der Stadt Ulm.

Ich beschreibe dir hier die Gebäude, die ich schon besucht habe, damit du einen Eindruck der Anlage bekommst. Zudem kannst du den Tag des Offenen Denkmals so wie ich nutzen – wenn wer wieder „normal“ stattfinden kann.

Die Wilhelmsburg

Die Wilhelmsburg liegt hoch über der Stadt Ulm auf dem Michelsberg und hätte fast 7.000 Soldaten beherbergen können. Der Innenhof hat alleine eine Fläche von 1,3 ha und das Ulmer Münster kann darin bequem Platz nehmen. Die Größe des Baukörper ist enorm und bietet Platz für 570 Räume. Die Burg war so angelegt, dass sie mit ihren 110 Geschützscharten, 13 Stollen und 2 Türmen als letzte Verteidigungsbastion hätte dienen sollen. 300.000 t Kalkstein aus dem Blautal wurden hier verbaut.

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Wilhelmsburg von oben – das Blechdach kam erst 1986 dazu

1935 war dort die Wehrmacht untergebracht. Im Zweiten Weltkrieg brannte der Dachstuhl aufgrund mehrerer Bombentreffer aus. Nach dem Krieg gab es hier bis 1956 ein Flüchtlingslager für bis zu 30.000 Bewohner. Danach wurde die Burg bis 1970 als Bundeswehrkaserne genutzt.

Durch das undichte Dach drang so viel Feuchtigkeit ein, dass die Räume nach 1970 unbewohnbar wurden. 1986 kaufte die Stadt Ulm die Burg und ein neues Blechdach verhinderte weitere Schäden. Das Gebäude wurde nach und nach ausgetrocknet.

Der Innenhof wird heute für Freilichtveranstaltungen genutzt. Was aber mit den fast 600 Räumen passiert, ist unklar. Es bleibt also spannend, wie sich die Wilhelmsburg weiterentwickelt. Ich wäre für ein Hotel und Wohnungen. Die Lage und das Gebäude sind einmalig. Aber ich werde ja nicht gefragt – leider.

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Der König-Wilhelm-Turm bietet eine schöne Aussicht

Gleich neben der Wilhelmsburg befindet sich der König-Wilhelm-Turm, der mit der Bundesfestung aber nichts zu tun hat. Er wurde erst 1908 vom Verschönerungsverein und vom Schwäbischen Albverein errichtet. Er ist 16 m hoch und von dort hast du einen wunderschönen Blick auf die Wilhelmsburg und auf Ulm.

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Aussicht auf Ulm vom König-Wilhelm-Turm

Reduit

Der korrekte Name ist „Reduit der Oberen Donaubastion“ und diente als Defensivkaserne für über 2.200 Soldaten. Das Gebäude ist fast 140 m lang und liegt nicht weit von der Donau entfernt. Heute ist dort das Donauschwäbische Zentralmuseum Ulm untergebracht.

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Meterdicke Mauern schützen das Reduit

Das Gebäude wurde 1855 fertiggestellt und ist kaum verändert worden. Seit 1974 steht es sogar unter Denkmalschutz. Es handelt sich bei dem Gebäude um eine dreistöckige Kaserne. Im ganzen Gebäude gibt es nur 2 Raumtypen. Die zur sicheren Seite stadtwärts gerichteten Räume dienten als Truppenkasematten als Wohnräume für die Soldaten . Auf der dem Feind zugewandte Seite sind die Geschützkasematten mit Schießscharten für die Kanonen untergebracht. Jedes Stockwerk hat eine Nutzfläche von ca. 2.000 m².

Nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Gebäude zur Unterbringung von Flüchtlingen. Seit den 1980ern ist es im Besitz des Bundes. Um hier das Museum unterzubringen, hat die Stadt Ulm das Reduit vom Bund erworben. So wurde es 1995 bis 2000 saniert und die technische Infrastruktur erneuert. Ein Treppenhaus und ein Aufzug wurden eingebaut, die Grundstruktur jedoch weitgehend erhalten.

Die Räume, die im zweiten Obergeschoss nicht vom Museum genutzt werden, sind an Ulmer Kultureinrichtungen vermietet und normalerweise nicht zu besichtigen.

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Ich habe das Gebäude im Rahmen des Tags des Offenen Denkmals besichtigen können und kann dir das wirklich empfehlen. Du siehst dann Gebäudeteile, die sonst nicht zugänglich sind und erfährst alles zu der Geschichte des Reduits. Bevor 1935 ein „normales Dach“ auf das Gebäude kam, hatte es z. B. eine Erdbedeckung von 5 m Mächtigkeit, um vor Geschütztreffern sicher zu sein.

Sehr interessant ist auch die Rekonstruktion einer Flüchtlingswohnung. Die Räume waren riesig und man teilte die Zimmer einfach mit Schränken und Vorhängen ab, um kleine Wohnungen mit ein bisschen Privatsphäre zu erhalten. Außerdem gab es keine Heizung und sanitäre Einrichtungen für die Bewohner. Das Leben war damals schon ganz schön hart.

Informationen zu dem Museum findest du auf deren Internetseite. Im Museum ist die Grundstruktur der Räume und des Gebäudes immer noch zusehen. Deshalb ist nicht nur die Ausstellung interessant.

Fort „Unterer Eselsberg“

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Kerzen beleuchten das Fort innen und außen

Das Fort liegt 1,2 km westlich der Wilhelmsburg und konnte fast 700 Mann aufnehmen. Im Zweiten Weltkrieg wurde es schwer beschädigt. Nach dem Krieg war hier die Polizei untergebracht und Hundestaffel fand hier eine passende Heimat. Ab 1985 wurde das Fort restauriert und heute haben Vereine ihren Sitz dort.

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Das Fort „Unterer Eselsberg“ lässt die Ausmaße der Anlage noch gut erkennen

Normalerweise ist es also nicht zugänglich. Am Abend vor dem Tag des Offenen Denkmals werden aber seine Tore geöffnet. Es gibt Führungen und das Ganze wird mit Kerzen beleuchtet. Ein einmaliges Erlebnis – wirklich.

Der Festungsweg

Zum Abschluss noch ein Tipp für alle Wanderfans unter meinen Lesern: 2009 wurde der Festungsweg gemeinsam von den Städten Ulm und Neu-Ulm angelegt. Er ist ein Teil des Glacisparkkonszeptes und vermittelt einen Eindruck der Festungsanlage. Der Zusammenhang und die Ausdehnung der Bundesfestung erfährst du durch die 12,5 km lange Wegführung, die die komplette Anlage umfasst. 32 Stationen erläutern die Entstehung und die Bedeutung dieses Kulturdenkmals mit dem klingenden Namen „Bundesfestung Ulm“.

Ich bin den Weg noch nicht gelaufen, doch ich habe ihn auf dem Programm und werde berichten, wenn es Infos dazu gibt – versprochen.

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