Märzenbecher im Eselsburger Tal

 Märzenbecher im Eselsburger Tal

Du fragst dich bestimmt, warum ich gerade jetzt mit einem Reiseblock starte?

In Zeiten von Corona, Klimawandel und all den Krisenherden in den Nachrichten. Ganz einfach, Reisen ist für mich nicht das Wegfliegen an schöne Strände, tolle Orte und ein paar Fotos schießen. Nein. Reisen ist für mich eine Lebensphilosophie.

Reisende – Traveller – reisen, um neue Dinge zu entdecken, neue Menschen kennen zu lernen, ihren Horizont zu erweitern und um zu helfen.

Wenn du möchtest, kannst du alle meine Abenteuer auf meiner Seite sicher von zu Hause verfolgen, dich mit mir freuen und mit mir meine tollen Momente teilen. Du kannst es aber auch selber ausprobieren, vielleicht nicht jetzt und vielleicht nicht in den Ländern, die vom Virus, Krieg oder Hunger besonders betroffen sind.

Nein, das ist gar nicht notwendig. Schaue dich in deiner Heimat um. Wann hast du das letzte Mal dort eine längere Wanderung unternommen? Wann hast du in deinem Heimatort ein Museum besucht? Hast du dort schon mal eine Stadtführung mitgemacht? Nein?

Dann hast du viele Besonderheiten, verborgenen Winkel oder verzauberte Plätze vielleicht noch gar nicht entdeckt! Du musst nicht weit gehen oder fahren, um etwas zu erleben. Fange doch einfach mit dem an, was vor deiner Haustüre liegt. Halte die Augen auf und sei offen für Neues. Das ist der erste Schritt.

Du wirst auf meinem Blog vieles entdecken. Ich reise gern. Aber vielleicht nicht im Augenblick. Wer weiß, wie sich der Corona-Virus entwickelt. Also nehme ich dich mit auf meine Auszeiten vom Alltag: Das Wochenende bietet eine Menge Möglichkeiten. Du musst nur mal etwas anders machen.

Und wer hinaus in die Natur geht, erlebt nicht nur tolle Dinge, sondern steckt sich dort weder mit Grippe noch Corona an. Du bist am Abend nicht von deiner Arbeit müde, sondern von der frischen Luft. Dein Immunsystem wird gestärkt. Und glaube es mir. Deine Stimmung steigt enorm, wenn du etwas außer der Reihe gemacht hast.

Hier nun etwas Besonderes aus meiner Heimat: Der Schwäbischen Alb

Im Eselsburger Tal gibt es genauso wie in Bad Überkingen eine Stelle, wo im Frühjahr die Märzenbecher blühen. Bad Überkingen hat das groß ausgeschildert und der Weg dort ist auch sehr schön. Das Eselsburger Tal gefällt mir jedoch besser, weil es neben den Blumen noch bizarre Felsformationen gibt, ein Fluss in der Nähe liegt und noch viel mehr Natur auf einen wartet.

Ein Parkplatz befindet sich in Anhausen bei der Bindsteinmühle. Die Märzenbecher blühen auf der westlichen Talseite. Deshalb ist es hier schön, wenn du morgens kommst und die Sonne in den Hang scheint. Nicht wundern, die Blütenpracht fängt erst ein ganzes Stück nach dem Parkplatz an. Dafür ist sie dann nicht zu übersehen.

Was ist so Besonderes an den Märzenbechern? Ich finde es so toll, weil zu dieser Jahreszeit im Wald nichts anderes wächst. Er ist noch grau und öde vom Winter. Alles in mir ist auf die erste Farbe fixiert und das graue Wetter tut noch sein übriges, um für schlechte Laune zu sorgen. Du kommst also her und da ist es: Eine riesige Fläche mit frischem Grün und diesen zauberhaften Blüten.

Du solltest festes Schuhwerk oder Schuhe zum Wechseln dabei haben. Der Weg ist geschottert und kann an manchen Stellen sehr matschig sein. Und du solltest den Fotoapparat dabei haben. Natürlich.

Der Weg zieht vorbei an diesem schönen Buchenwald mit Felsen, Bäumen, die mit Efeu bewachsen sind und einem Teppich mit zartweißen Blütenkelchen. Der Fluss Brenz ist schon ein ganzes Stück weg, aber wenn du die Augen aufhältst, kannst du alle möglichen Enten, Schwäne und sonstige Fluss- und Waldvögel entdecken. An der Ruine Falkenstein ragt ein mächtiger Fels empor und hier brüten Bergdohlen. Was für ein Gezwitscher und Gepfeife. Du füllst dich, als ob du in den Alpen wanderst. Manchmal sieht man hier auch einen Turmfalken. Falls ihm die Dohlen nicht zu anstrengend sind.

Hier gibt es auch eine Brücke über die Brenz. Du kannst somit den selben Weg zurück gehen, weitergehen, den Berg für die Ruine Falkenstein erklimmen oder einen Rundweg auf der anderen Flussseite machen.

Wenn du weitergehst, kommst du irgendwann in den kleinen Ort Eselsburg. Das ist noch ein ganzes Stück. Hier hat es einen Biohof mit Bioladen und auch eine Gastwirtschaft. Falls du eine Einkehr geplant hast, bietet sich das dort an. Der Weg zur Ruine Falkenstein ist sehr steil und ich bin ihn selber noch nicht gegangen. Ich kann also nicht beurteilen, wie interessant der Rückweg hier verläuft.

Ich empfehle, die Flussseite zu wechseln, wenn du Zeit hast. Falls du nicht so lange gehen möchtest oder kannst, dann gehe soweit, wie du Lust hast. Wie gesagt, bis zu den ersten Blüten ist es ein Stück. Die selbe Zeit planst du dann einfach für den Rückweg ein.

So nun aber zu denjenigen, die die Flussseite wechseln: Gehst du rechts, kommst du nach Eselsburg (der Weg ist kürzer, als auf der anderen Seite) – gehst du links – dann gehst du in Richtung Parkplatz. Der Weg ist hier länger als der Hinweg, aber dafür bist du näher an der Brenz. Und ich möchte das Wasser schon sehen, wenn ich in einem Flusstal wandern gehe.

Zumal es hier noch weitere Besonderheiten gibt: Hier wohnt ein Biber, der aufgrund der vielen Besucher nicht ganz so scheu und lärmempfindlich ist. Normalerweise stören sie sich schon an dem Geräusch, welches du verursachst, wenn du auf Kies trittst. Aber hier hat es Radfahrer, Familien mit Kinderwägen, Hundespaziergänger, Jogger und Naturfreunde.

Also halte die Augen offen. Du wirst in jedem Fall seine Spuren an Bäumen entdecken und mit viel Glück wird er dich auch mit seiner Anwesenheit beehren. Morgens sehr früh würde ich sogar wetten, dass du ihn siehst. Biber halten Winterruhe. Also nicht traurig sein, wenn das Wetter in seiner Burg verschläft.

Und der Eisvogel ist hier heimisch. Ich hatte schon mehrmals im Winter die Gelegenheit, ihn zu entdecken. Und ehrlich. Wenn er da ist, ist er nicht zu übersehen. Es ist, als flöge ein Saphir durch die Luft. Sein blaues Gefieder leuchtet im Winter besonders schön. Da er Fische jagt, bleibt er auch immer schön ein Weilchen ruhig sitzen. Vielleicht ist aber auch nur eitel und mag es fotografiert zu werden. Wer weiß???

Ich hatte auch schon das Glück, hier besondere Wintergäste zu sehen. Gänsesäger sind ca. 66 cm groß. Sie hat einen braunen Kopf, weißen Hals und graue Flügel und Rücken. Er ist ein Gentleman und trägt Schwarzweiß: Kopf und Rücken sind schwarz und der Rest ist weiß. Und was allen Sägern gemein ist und sie auch gut von anderen Enten unterscheiden lässt: Der Schnabel ist spitz und hat einen Haken an seiner Spitze und kennzeichnet sie somit als Fischfresser. Du erkennst sie, wenn sie dir begegnen.

Zurück an der Straße gibt es einen Fußweg zurück zum Parkplatz. Da das Eselsburger Tal ein Landschaftsschutzgebiet ist, lass bitte keinen Müll zurück, nimm keine Pflanzen mit und Hunde gehören an die Leine.

Aber das muss ich dir nicht extra sagen – oder?

Das sollte übrigens für alles und jeden Ort gelten.

Danke dir.

1+

Neueste Beiträge

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.