Evora – die Reise in die Jungsteinzeit

 Evora – die Reise in die Jungsteinzeit

Die Geschichte

Die Keltische Siedlung Ebora gab es bereits vor dem Eintreffen der Römer 59 v. Chr.. Sie errichteten einen militärischen Außenposten und ihre beeindruckendste Hinterlassenschaft findest du noch heute in Form eines Viadukts im Stadtzentrum. Dies ist auch ein Hinweis dafür, wie wichtig dieser Ort für die Römer war, der damals „Ebora Liberalitas Julia“ hieß.

Durch die Westgoten kam es zu einer Zeit des Niedergangs – doch durch die Mauren blühte der Ort wieder auf und wurde zu einem wichtigen Handelszentrum. Die nun Evora genannte Stadt erlebte ihre Blütezeit nach den Mauren im 14. bis 16. Jahrhundert. 1540 wurde sie zum Erzbistum ernannt und 1559 erhielt sie eine jesuitische Universität. Als 1580 die Spanier den Thron übernahmen, verließ der königliche Hof die Stadt und sogar die Universität wurde 1759 geschlossen. Die Stadt fiel in eine Art „Dornröschenschlaf“. Der politische und wirtschaftliche Niedergang verhinderte die Modernisierung der Stadt und so zählt sie heute zu den schönsten und am Besten erhalten mittelalterlichen Städten Portugals.

Die Stadt heute

Portugal - Evora

Die gesamte Stadt ist mit einer Stadtmauer umgeben. Du kannst mit dem Auto hineinfahren. Aber du kannst mir glauben, dass ich um Jahre gealtert bin, als ich mit dem Mietwagen durch die engen Gassen fuhr. Such dir am Besten einen Parkplatz außerhalb der Stadtmauer und erkunde die Stadt zu Fuß.

Was mir sofort auffiel, war die interessante Farbgebung der Gebäude: Fast alle hatten orangefarbene Verzierungen um Fenster, Türen und Sockel, was einen wunderbaren Gesamteindruck der Stadt hinterlässt.

Ich hatte zudem das Glück, zu Semesterbeginn in der Stadt zu sein und so konnte ich die Studenten beobachten, wie sie ihre Initiationsriten mit den Erstsemestern hielten. Die wiedereröffnete jesuitische Universität bildet Mediziner aus und so gab es neben viel Gelächter, noch mehr Pflaster und Verbände zu sehen. Schade, dass ich kein Portugiesisch spreche.

Hier die Sehenswürdigkeiten, die ich besucht habe:

Aquädukt und Templo Romano

Von den Römern habe ich ja schon im allgemeinen Teil berichtet. Das Aquädukt ragt wie ein Keil in die Stadt und ist noch perfekt erhalten. Das Wort Aquädukt kommt von dem Lateinischen aquaeductus und bedeutet Wasserleitung. Stell dir einfach eine Brücke vor, mit der die Römer Wasser in die Stadt leiteten. Im Mittelalter wurde diese Leitung einfach ins Stadtbild integriert. Vor der Stadtmauer noch so hoch, dass der Verkehr heute darunter durchläuft, wird es in der Stadt immer niedriger, bis du schließlich von oben hineinblicken kannst. Das kommt daher, dass das Wasser mit einem natürlichen Gefälle zum Fließen gebracht wurde, keine Pumpen – kein Strom – dafür ziemlich genial und technisch sehr anspruchsvoll. Zum Teil befinden sich Häuser unter den Bögen. Du kannst dem Bauwerk leicht folgen. Es ist wirklich sehr interessant.

Portugal - Evora

Vom Römischen Tempel aus dem 3. Jh. ist leider nicht mehr viel übrig. Trotzdem zählt er zu den besten erhaltenen Römischen Bauwerken Portugals, wenn nicht sogar der Iberischen Halbinsel. Er soll Diana geweiht gewesen sein. Allerdings wird darum noch gestritten. Das kann dir egal sein, wenn du ihn bewunderst und dir vorstellst, wie hier einst die Römer in ihren Tuniken flanierten und zu ihren Göttern beteten.

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Portugal - Evora

Die Kathedrale von Evora wurde 1186 erbaut und wirkt deshalb wie eine Burg. 1497 wurden hier die Flaggen der Schiffe von Vasco da Gama gesegnet. Im Innern der Kirche überwiegt der Gotische Einfluss. Das Interessanteste an der Kirche ist die Möglichkeit, auf dem Dach den Blick über die Stadt schweifen zu lassen. Der Gedanke ist etwas gewöhnungsbedürftig – in luftiger Höhe über das Tonnengewölbe zu gehen. Nun gut – es hat die letzten 400 Jahre gehalten, dann wird es nicht einstürzen, wenn du es betrittst.

Auch der Kreuzgang des angeschlossenen Klosters ist in Gotischem Stil gehalten und über Wendeltreppen an den Ecken gelangst du auch hier nach oben. Du solltest allerdings nicht unter Platzangst leiden, denn die Treppe ist sehr eng. Oben musst du ein bisschen auf den Ausgang der Wendeltreppen achten, denn er ist nicht gesichert. Nur ein Loch im Boden weißt auf den Abgang hin.

Cromeleque dos Almeindres

Das Naturdenkmal Cromeleque dos Almeindres liegt 15 km westlich von Evora in Mitten von Olivenhainen und Korkeichen. Schau dir die Korkbäume genau an und du wirst die Stellen am Stamm entdecken, an denen der Kork geschält wurde. Keine Angst, der Baum wird nicht geschädigt und wächst einfach weiter und bildet neue Rinde. Bei deiner nächsten Flasche Wein wirst du von nun an immer diese schönen Bäume vor dir sehen, wenn du den Korken ziehst.

Portugal - Evora

2,5 km vor Cromeleque dos Almeindres steht der Menir dos Almeindres. Da du auf der unbefestigten Straße sowieso nicht zu schnell fahren kannst, achte auf die Beschilderung. Es ist angeschrieben. Es handelt sich um einen 4 m hohen Megalith, auf dem nur noch schwach verwitterte Steinritzungen zu erkennen sind. Von der Straße sind es einige Hundert Meter zu Fuß.

Was ist nun so besonderes daran, fragst du dich wahrscheinlich?

Er wurde in der Jungsteinzeit errichtet!

Portugal - Evora

In Cromeleque dos Almeindres stehen 95 weitere Granitmonolithen in einem Oval. Manche von ihnen weisen Symbole auf, andere sind bereits umgefallen. Über ihre Bedeutung kann nur spekuliert werden. Sind sie ein astronomischer Kalender? Stellen sie Götter oder Ahnen dar?

Und wie zum Teufel konnten Menschen, die nicht mal Metall oder das Rad kannten, die Steine aufrichten oder von A nach B transportieren?

Lass dich auf die Stimmung des Ortes ein und die Fragen sind vergessen. Es ist einfach schön hier und vielleicht war es nur ein Versammlungsort, an dem die Menschen so wie du einfach nur den Moment genossen.

Anta Grande do Zambujeiro

Portugal - Evora

Anta Grande do Zambujeiro befindet sich 13 km südwestlich von Evora und bedeutet Großer Dolmen von Zambujeiro. Es ist ein Hügelgrab und nach reichlicher Lektüre von Asterix-Heften hatte ich doch eine ganz andere Vorstellung davon.

Die ganze Anlage wird mit einem Wellblechdach vor den gröbsten Wetterereignissen geschützt.

6 m hohe Steine stützten einst das Steindach und bilden eine Kammer mit 19 m Länge, die aber nicht betreten werden kann. Du kannst jedoch um die Kammer herum gehen und von oben hinein blicken, denn der Schlussstein wurde von Archäologen 1960 entfernt.

Da es sich um das größte jemals entdeckte Megalithgrab handelt, wird es auch „Kathedrale der Steinzeit“ genannt. Diese Anlage wurde ebenfalls zum Nationaldenkmal erklärt.

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