Bolheim – Wanderung durch die Zeit auf dem Urweltpfad

 Bolheim – Wanderung durch die Zeit auf dem Urweltpfad

Nach meinem Ausflug zu den Kirchen Italiens über Ostern lade ich dich heute wieder zu einer Wanderung auf der Schwäbischen Alb ein. Da die UNESCO den Europäischen „Geopark Schwäbische Alb“ ausgezeichnet hat, profitieren wir Wanderer die letzten Jahre von schön ausgeschilderten Themenwegen.

Das Kliff in Heldenfingen ist einer dieser Themenwege. Den hatte ich ja mit Schnee und Eis besucht. Die Wanderung heute habe ich im Spätsommer gemacht, wie du unschwer an den Fotos erkennen wirst.

Bolheim – Urweltpfad – Deutschland – Schwäbische Alb – Deutschland - Wandertipp

Urweltpfad Bolheim

Diese Tour ist 7,7 km lang und dauert über 2 h Gehzeit. Wenn du die Schautafeln in Ruhe liest, dann dauert die Tour entsprechend länger. Aber Wandern ist ja kein Wettrennen und ich bin ein absoluter Fan von Infos am Weg. Denn nur, wenn du dir die Tafeln vor Ort anschaust, verstehst du den großen Zusammenhang und die Besonderheit der beschriebenen Orte. Manchmal mache ich auch Fotos von den Schildern und lese sie Zuhause in Ruhe, aber dann ist der Zauber des Ortes nicht mehr da.

Der Weg führt über Forst- und Feldwege, aber auch über unbefestigte Trampelpfade. Ich wollte ihn einmal mit Freunden mit einem Kinderwagen gehen. Das war nicht möglich. Er ist also auch nicht für Rollstuhlfahrer und gehbehinderte Personen geeignet. Ansonsten ist er nicht schwer, denn er hat kaum Steigungen und Gefälle.

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Gutes Schuhwerk solltest du für diese Wanderung dabeihaben

Die Besonderheit dieses Pfades ist, dass er durch die typische Alblandschaft mit Wald, Feldern und Heideflächen führt. Du begibst dich auf eine Zeitreise von der Urzeit vor 160 Mio. Jahren in die Gegenwart. Auf 12 Stationen werden dir Themen wie die Mündung der Urbrenz und das Jurameer ebenso nahe gebracht, wie Bodenbildung und Entstehung von Heidelandschaften. Du bekommst die typischen Waldgesellschaften auf der Alb erläutert, erfährst, wie die Schwäbische Alb entstanden ist und wie ihre Entwässerung über den Karst funktioniert. Nach einem Abstecher in die Eiszeit gelangst du dann in die Gegenwart und die Entstehung unserer Kulturlandschaft.

Klingt das interessant? Dann lass uns starten und uns den Wandel der Alblandschaft betrachten!

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Schirmpilze sind sehr leckere Speisepilze

Die Wanderroute

Bolheim liegt westlich von Herbrechtingen und Giengen an der Brenz. Im Ort findest du den Ugenhof angeschrieben und dieser Beschilderung folgst du der Ugenhofer Straße bergauf bis zum Wanderparkplatz Brunnenhau (Ugenhofer Straße, 89542 Bolheim). Dort kannst du kostenlos parken.

Wann entstand der Mensch auf der Zeitachse der Erde?

Zu unser virtuellen Zeitreise starten wir hier vor 160 Mio. Jahren. Wäre die gesamte Erde einen Tag alt, wäre die Schwäbische Alb eine Stunde alt und der Mensch wäre erst einige Sekunden vor Mitternacht auf dem Planeten erschienen, quasi erst einen Augenblick jung.

Auf der Ugenhofer Straße wanderst du nun durch den Wald bis zum ersten Abzweig nach links und gelangst so zur Schautafel „Savannen Schwabens“ mitten im Wald.

viagollas Extratipp:

Wenn du auf dem Ugenhof einkaufen möchtest, dann kann du natürlich der Ugenhofer Straße bis zu Hof folgen. Denk aber daran, dass du es dann die ganze Tour herumtragen musst. Evtl. hebst du dir den Einkauf für das Ende der Tour auf und fährst dann mit dem Auto zum Hof.

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Der Ugenhof ist ein Biohof mit Hofladen

Weiter auf der regulären Strecke wanderst du, bis der Waldrand einen 90° Knick nach Westen macht. Dort musst du ein wenig Obacht geben, denn es zweigen viele Wege rechts und links ab, aber du bleibst auf dem Forstweg Richtung Süden im Wald. Ab dem Knick zählend nimmst du den fünften Abzweig nach links. Mach dir keine Sorge, wenn du zu früh abbiegst. Alle Wege führen hier rechtwinklig wieder zurück auf die Hochfläche vom Beginn der Tour. Dann musst du dich einfach nach rechts wenden und am Wald entlang gehen, bis du wieder auf den Wanderweg gelangst. Es kann nur sein, dass du dann Infotafeln verpasst.

Regulär solltet du an einem Waldknick herauskommen und danach verläuft die Wanderroute auf einer Wiesenspur am Waldrand, der du nach rechts folgst. Diese gehst du entlang, bis der nächste geschotterte Waldweg aus dem Wald führt und auf diesen Weg biegst du ein und wanderst auf dem Feldweg nach Osten (links). Hier im Bereich Waldrand / offene Landschaft findest du die Station „Everglades“ mit der Beschreibung der Mündung der Urbrenz, die sich hier befand.

Kampf um das Wasser zweier Flusssysteme

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Waldtümpel – auch Hülben genannt – sind häufiger auf der Alb zu finden, als du denkst

Die Urbrenz war einer der ältesten Flüsse Deutschlands und erst als sich die Landschaft vor 8 Mio. Jahren hob und kippte, gruben sich die Flüsse tiefer ein und begannen den vorhandenen Flusssystemen das Wasser abzuluchsen. Eine Wasserscheide entstand. Das neu entstandene „Rheinsystem“ hatte mehr Gefälle und damit verbunden eine höhere Erosionskraft als das vorhandene „Donausystem„.

Der Kampf um die Europäische Wasserscheide hatte ihren Höhepunkt im Quartär vor etwa 850.000 Jahren. Der Kocher zapfte der Urbrenz das Wasser ab und die Brenz ist heute nur noch ein kümmerlicher Überrest von einem einst riesigen süddeutschen Flusssystem. Tja schon damals war die Konkurrenz zwischen Aalen und Heidenheim also enorm – wer hätte das Gedacht. Mehr zur Europäischen Wasserscheide findest du übrigens in meinem Beitrag über die Wanderung am Kocherursprung.

Wangenhof

Dieser Weg endet in Wangenhof an einer Kreuzung. Die Getreidesilos, die ehemals von der Firma Schwenk stammen, kannst du schon von weitem sehen und verleihen dem Dorf ein etwas fabrikhaftes Aussehen. An der Kreuzung biegst du links ab auf die Wangenhofer Straße. Hinter dem Ortsschild ragt ein kleines Wäldchen in die Hochfläche. Die Rotbuche ist übrigens der natürliche Waldbaum der Schwäbischen Alb. Dem Weg danach folgst du nach rechts ins Heidental.

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Dieser Weg führt dich am Rand der Hochfläche entlang und macht nach kurzer Strecke einen 90° Knick nach Norden. Die Route führt dich nun auf die Rottsteige und diesem Weg folgst du in den Wald. Aber nicht bis hinab nach Bolheim. Du nimmst den 1. Abzweig nach links und dann nach einem Stück bergauf wieder rechts. Dieser Wanderweg führt dich unterhalb des Hasenlochs nach Norden direkt auf die Ugenhofer Straße. Das Hasenloch ist ein Hügel mit 566 m Höhe.

An der Straße angekommen, biegst du links ab und kannst den ehemaligen Steinbruchs Bolheims mit der Lindachhöhle sehen. Hier findest du die Schautafel über die Karstgeheimnisse und die unterirdische Entwässerung der Schwäbischen Alb. Nach dem historischen Kampf um das Wasser kannst du bestimmt verstehen, dass die Alb das Wasser lieber unterirdisch entsorgt, damit es nicht wieder abgezweigt wird.

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Die Silberdistel ist geschützt und darf nicht gepflückt oder ausgegraben werden!

Du wanderst nun den Hang hinauf der Straße entlang und hier kannst du dich nicht mehr verlaufen. Die nächste Schautafel handelt vom Schwäbischen Sibirien und alle, die das Osterwetter 2021 mit Schneesturm erlebt haben, denken bestimmt, dass wir schon wieder in der Jetztzeit angekommen sind. Aber nein, es geht um die letzte Eiszeit mit dem klingenden Namen Würmkaltzeit, die erst von 12.000 Jahren endete. Die Eiszeiten sind übrigens nach Flüssen benannt und die Würmeiszeit ist natürlich nach einem hübschen Flüsschen in Bayern benannt.

Die Würm

Die Würm ist fast 40 km lang und der einzige Abfluss des Starnberger Sees, der bis 1962 Würmsee hieß. Ich kann verstehen, dass der jetzige Name doch viel klangvoller ist. Wer mag schon am Würmsee wohnen, geschweige denn darin baden? Ich hoffe, du hast jetzt kein ekeliges Bild im Kopf? Der Hauptarm der Würm mündet bei Dachau in die Amper, die am Ende in der Isar landet.

Nun aber wieder zurück zu unserer Wanderung und du gelangst nun zu dem Übergang von Natur- zur Kulturlandschaft und das ist auch die letzte Station der Schautafeln mit der Nummer 12 „Wege zur Kulturlandschaft“.

Somit endet deine Wanderung und die Zeitreise im Hier und Jetzt und hoffentlich wieder an deinem Auto. Falls du für die Wanderung eine Karte benötigst, dann findest du sie auf der Seite der Heidenheimer Brenzregion herunterladen.

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