Wandern auf den Spuren der Eiszeitjäger

 Wandern auf den Spuren der Eiszeitjäger

Die heutige Wandertourbeschreibung führt dich in Blaubeuren auf den Eiszeitjägerpfad. Dieser Weg ist so angelegt, dass er an den Highlights der Landschaft vorbei an der Brillenhöhle, dem Felsenlabyrinth und der Ruine Günzelburg verläuft. Er leitet dich über den Ort Weiler durch das UNESCO-Welterbegebiet mit seinem Buchen-Steppenheidewald zum Aussichtspunkt am Schillerstein. In den Höhlen wurden Relikte des Neandertalers und des modernen Menschen gefunden, so dass du nicht nur nur durch die Landschaft wanderst, sondern auch in die Fußstapfen unserer Vorfahren trittst.

Da der Startpunkt des Eiszeitpfades der Bahnhof Blaubeuren ist, kannst du mit dem Zug oder Pkw anreisen.

Erinnerung an einen genialen Schriftsteller

Bevor ich aber weiter über die Wandertour schreibe, möchte ich noch ein paar Zeilen zu Papier bringen und an einen besonderen Menschen erinnern:

Am 25. Mai war der offizielle Handtuch-Tag / Towel-Day. Als großer Fan von Douglas Adams widme ich deshalb ihm diese Woche meinen Beitrag. Sein Buch „Per Anhalter durch die Galaxis“ hat mich als Kind in ferne Welten geführt. Ich war begeistert von der Idee, neue Orte zu sehen und das Unbekannte zu entdecken.

Ich glaube, dass ich einen Großteil meines Entdeckergeistes solchen Büchern verdanke. Wenn ich heute auf meine Reisen zurückblicke, dann habe ich ebenfalls fantastische Orte gesehen. Orte, die sich kein Buchautor ausdenken kann. Das Schöne daran ist, dass es dafür nur Eines bedarf: Einer wunderbaren Natur, eines wunderbaren Universums und einem wunderbaren Buchautor, der die Leidenschaft in dir weckt, alles zu entdecken.

Danke Douglas. Du bist leider viel zu früh von uns gegangen. Nun müssen wir uns selbst Gedanken über den Sinn des Lebens machen. Danke für deine Bücher und deine Art zu Schreiben, die mich immer wieder neu begeistert. Ich hoffe, dass ich irgendwann ebenso gut schreiben kann und meinen Lesern mit so viel Humor die Welt nahe bringen kann. Es ist wirklich schade, dass du meine Beiträge nie lesen wirst oder doch? Wer weiß? Pass auf dich auf – wo immer du jetzt bist. Und egal was passiert – denke immer daran: KEINE PANIK!

Blaubeuren – Blau – Ach - Eiszeitjägerpfad – Schwäbische Alb – Deutschland – Wandertipp - viagolla
Ich freue mich, wenn du mich auf Pinterest besuchst

Eiszeitjäger – wer waren sie?

Die letzte Eiszeit bzw. Kaltzeit in Europa dauerte von 115.000 Jahren bis ca. 11.700 Jahren v. Chr.. In dieser fast 100.000 Jahre dauernden Zeitspanne überzogen weite Gletscher die Landschaft von der Polarregion bis zu den Alpen und veränderten damit nicht nur die Fauna und Flora. Ganze Landstriche wurden abgehobelt, eingedrückt und von Gletschern neu geformt. Der abgesenkte Meeresspiegel führte zu Meeresbrücken und Tiere wie Mammut, Wollnashorn und Säbelzahntiger durchstreiften weite Tundren.

Menschen und Tiere mussten sich diesem harten Klima anpassen und ihren Überlebenskampf können wir heute nur noch bewundern, wenn wir drinnen im Warmen sitzen und bei hässlichem Wetter nach draußen schauen und uns das nächste Essen aus dem Kühlschrank holen.

Lange lebten Neandertaler und der aus Afrika eingewanderte „moderne Mensch“ nebeneinander in dieser unwirklichen Zeit in Europa. Warum der Neandertaler letztendlich ausgestorben ist, weiß man heute nicht genau. Hat der Neuzeitmensch ihn verdrängt? Hat er evtl. Krankheiten mitgebracht, gegen die der Neandertaler nicht gewappnet war? War der Neuzeitmensch besser an das Klima angepasst oder konnte er flexibler mit Klimaänderungen umgehen? Gab es kriegerische Auseinandersetzungen der beiden Menschenrassen? Oder war es einfach Schicksal?

Wir wissen es nicht, aber wir tragen alle das Erbe dieser Zeit noch in uns. Der Beginn der letzten Eiszeit markiert auch den Beginn des Eintreffens des Homo Sapiens in Europa. Ein Zufall? Wohl eher nicht. Aber so besiedelten die Neuankömmlinge aus Afrika über 60.000 Jahre zusammen mit den hier lebenden Neandertalern das heutige Europa. Es ist nur logisch, dass aufgrund einer so langen Zeitspanne eine gewisse Durchmischung des Erbgutes zustande kam. Warum sollte es damals nicht gemischte Familien oder Clans gegeben haben?

Die Neandertaler verschwanden vor ca. 40. bis 50.000 Jahren. Doch heute noch findet sich das genetische Erbe dieser Menschen in der nicht afrikanisch Bevölkerung. 1 % bis 4 % unseres Erbmaterials stammt nämlich von diesem Nebenzweig der Menschheitsgeschichte und wenn nun dein Wander- oder Jagdtrieb durchkommt, dann lass uns auf den Pfaden unserer Vorfahren wandeln bzw. wandern.

Die ausführliche Tourbeschreibung

Startpunkt der des Eiszeitjägerpfades ist der Bahnhof in Blaubeuren. Hier hat es einen P + R-Parkplatz, auf dem du kostenlos parken kannst. Die Anreise ist aber ebenso gut mit dem Zug möglich. Die Tour ist 9,3 km lang und du solltest mindestens 3 h Gehzeit einplanen. Du überwindest 433 Höhenmeter und für Kinderwagen oder Gehbehinderte Personen ist die Tour nicht geeignet.

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Der Eiszeitjägerpfad ist anspruchsvoll

Vor dem Bahnhof überquerst du die Straße und hältst dich links. Hier folgst du der der Beschilderung des Eiszeitjägerpfades und gehst der Straße entlang. An der nächsten Ampel führt dich eine Treppe zu einer Brücke. Der gelbe Kreis und das rote Dreieck sind hier deine Wandersymbole. Der Eiszeitjägerpfad Blaubeuren ist leider nicht so sauber ausgeschildert – dafür begleitet dich der gelbe Kreis sehr zuverlässig. Von der Brücke hast du einen guten Blick auf den anschließenden Tunnel und zurück auf dem Bahnhof.

Die Straße endet nach einem kurzen Stück und du hältst dich links. Ein Schotterweg ist nun dein Begleiter und an der ersten Möglichkeit biegst du rechts ab. Nun wird es anstrengend, denn es geht steil bergauf und du wendest dich sofort wieder nach links. Deinen Weg markiert wieder der gelbe Kreis.

Am kommenden Abzweig hältst du dich wieder links. Der Schotterweg endet und ein Waldpfad mit mehr Erde wie Schotter folgt nun. Dieser verengt sich nach einen kurzen Stück und mündet in einen schönen Trampelpfad. Solche Wege liebe ich. Sie haben ein bisschen den Hauch von Abenteuer. Als wäre die Welt nicht geschottert, geteert oder betoniert. Fast noch wie bei den damaligen Eiszeitjägern. Vielleicht habe ich mehr als 4 % von dem damaligen Erbgut abbekommen?

Brillenhöhle

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Der Eingang zur Brillenhöhle ist vergittert

An der nun kommenden Weggabelung nimmst du den linken Pfad, denn dieser führt dich zur Brillenhöhle. Die Höhle ist vergittert, aber es ist nur ein kleiner Abstecher zu ihr. Ein kurzer Blick lohnt sich in jedem Fall, denn aufgrund der beiden Deckeneinbrüche der Höhle war hier ein beliebter Rastplatz der Eiszeitjäger. Die Stufen, die zur Höhle führen sind aus Lehm, weshalb sie sehr rutschig sein können. Pass hier also besonders gut auf.

Nach dem Abstecher zur Höhle, folgst du der der Beschilderung zum Felsenlabyrinth. Bei einer steilen Felsnadel hältst du dich rechts. Mit ein bisschen Glück, kannst du hier Kletterer beobachten.

Felsenlabyrinth

Das Felsenlabyrinth ist unglaublich. Die Gegend schaut aus, als seien die Felsen aus dem Boden gewachsen und mitten im Wachstumsprozess erstarrt. Die Felsformation mit dem passenden Namen „küssende Sau“ schaut aus, als wenn zwei Monster im Kuss versteinert sind. Vielleicht sind es aber auch Trolle, die die Sonne überrascht hat. Gandalf wäre mit Sicherheit begeistert.

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Die „küssende Sau“ oder doch Trolle?

Der Eiszeitpfad führt sogar durch einen Felsen hindurch und danach geht es ziemlich eben weiter. Der gelbe Kreis begleitet dich weiterhin. Der Wanderweg endet nun auf einer Hochfläche und eine Bank lädt dich zur Rast ein. Nach einer kurzen Pause wanderst du dem gelben Kreis nach wieder in den Wald.

Günzelburg

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Ruine Günzelburg ist über eine Treppe erreichbar

Von der Günzelburg ist nicht mehr viel vorhanden, da sie vermutlich bereits im 16. Jh. zerstört wurde. Aber hier wartet ein genialer Aussichtspunkt auf dich. Der Sporn, von dem das Bild unten entstanden ist, ist jedoch nichts für Leute mit Höhenangst. Glaub mir, für ein paar Fotos habe ich Blut und Wasser geschwitzt.

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Der Ausblick von der Ruine Günzelburg ist genial

Der Weg schmiegt sich danach in den Hang und verläuft mehr oder weniger steil bergab. An der nächsten Kreuzung folgst du wieder dem gelben Kreis und gehst einfach geradeaus weiter.

Der Eiszeitjägerpfad ist nun am Waldrand angelangt und kurz vor Weiler erreichst du an eine etwas kompliziert ausschauende Kreuzung. Der rechte Forstweg, der hier abbiegt, ist jedoch deine Wahl. Somit ist es nicht schwierig, den Weg zu finden. Da die Tour hier oberhalb von Weiler verläuft, hast du einen tollen Blick auf den Ort und seine Kirche. Der Weg wird wieder schmäler und als Trampelpfad führt er nach Weiler.

Weiler

Der Wanderweg endet an einer geteerten Straße, auf die du rechts einbiegst. Hier hatte mich dann auch das Aprilwetter eingeholt und es fing an zu regnen. Denke also immer an wetterfeste Kleidung oder einen Schirm, wenn du auf der Schwäbischen Alb unterwegs bist.

Die Straße „Am Schneckenfels“ ist eine Sackgasse und der Eiszeitjägerpfad führt dich nach links. Hier könntest du nun der Straße folgen und eine Abkürzung zurück nach Blaubeuren nehmen. Der Regen bei mir war jedoch nicht so stark und ich entschloss mich, die Tour zu Ende zu wandern.

Auf der Ludwig-Merckle-Straße gesellt sich der rote Dreiblock zum gelben Kreis. Der nächste Tourabschnitt verläuft auf der anderen Talseite und du musst die Landstraße überqueren. Hierzu solltest du die Fußgängerampel benutzen. Pass bitte auch bei dem im Anschluss folgenden Bahnübergang auf.

Du spaziert nun auf einem geteerten Sträßchen die Ach entlang bis zur ersten Brücke. Auf dieser überquerst du das Flüsschen.

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Auch nach Weiler führt die Tour zu fantastische Felsformationen

Hier hat es einen größeren Parkplatz und der Eiszeitjägerpfad biegt links ab. Ein frisch geschotterter Wanderweg führt dich dann rechts wieder bergauf in den Wald. Nun betrittst du den Bereich, der als UNESCO-Welterbe gekennzeichnet ist. Zur Höhle „Geißenklösterle“ wanderst du wieder einen sehr steilen Pfad bergauf. Die eigentliche Höhle ist wieder vergittert und bei meinem Besuch fand hier eine Ausgrabung statt. Bereits vor 40.000 Jahren hinterließen hier die Menschen ihre Spuren, wie geschnitzte Kunstwerke und sogar Musikinstrumente.

Du solltest der Nachwelt aber bitte nichts hinterlassen. Bitte nimm deinen Müll wieder mit, auch wenn du der Meinung bist, dass Menschen in der Zukunft interessieren könnte, was du hier gegessen hast.

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Teile der Höhle „Geißenklösterle“

Bruckfelsen

Nun geht es weiter zum Bruckfelsen, der wieder tolle Ausblicke in das Achtal gewährt. Kurz nach diesem Aussichtspunkt kannst du links eine Abkürzung des Weges vornehmen. Er ist ziemlich steil, spart aber ein ganzes Stück Weg.

Ich habe diese Abkürzung genommen, denn nun hatte mich ein Graupelschauer erwischt. Eis auf dem Eiszeitjägerpfad, na – wenn dass nicht passend ist. Ein Stückchen weiter gab es einen Hochstand, in den ich mich vor dem Wetter retten konnte. Ich hatte nämlich weder Regenjacke noch Schirm dabei. Danke an den Jäger, der ihn errichtet hat. Zum Glück hat es nach kurzer Zeit wieder aufgehört zu regnen und ich konnte halbwegs trocken die Wanderung beenden.

Ca. 200 Metern nach dem Hochstand biegt der Weg wieder rechts ab und du wanderst nun Richtung Schillerstein. An der kommenden Weggabelung nimmst du den linken Weg wieder dem gelben Kreis folgend.

Der Eiszeitjägerpfad führt dich nun links abbiegend auf einem breiten Forstweg. Der Forstweg mündet auf einem Feldweg und die Beschilderung weist dir den Weg nach links. Zum Schillerstein ist es hier nur noch einen Kilometer.

Waldgaststätte „Zum Schillerstein“

Die Waldgaststätte „Zum Schillerstein“ bietet sich für eine Rast an. Schau auch, ob du die Lamas und den Esel entdeckst, die bei meiner Tour hinter der Gaststätte grasen durften. Hier kannst du auch mit dem Auto direkt herfahren und gleich neben der Gaststätte ist ein schöner Spielplatz.

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Der Aussichtspunkt „Schillerstein“ wurde 1905 errichtet

Der Eiszeitjägerpfad biegt nach der Gaststätte vom Forstweg links ab. Der gelbe Kreis begleitet dich weiter. Bevor du aber wieder dem Weg ins Tal folgst, musst du unbedingt einen Abstecher zum Schillerstein machen. Dieser Aussichtspunkt wurde 1905 zum 100. Todestages von Friedrich Schiller gebaut. Er ist nur noch 200 Meter entfernt und du hast von dort eine geniale Aussicht auf das Blautal und Blaubeuren. Das Titelbild zeigt den Ausblick.

Du gehst, nachdem du die Aussicht genossen hast, wieder zurück und ein steiler Abstieg wartet auf dich und war nach dem Regen bei mir doch recht matschig. Schuhe zum Wechseln sind also keine schlechte Idee.

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Schattenspiel in Waldpfützen

So erreichst du eine Straße, die dich über die Bahngleise zurück zum Bahnhof führt. Von hier kannst du dein Auto schon von weitem sehen und dich auf ein warmes Zuhause und eine Dusche freuen. Es steckt wohl doch nicht nur ein Eiszeitjäger in uns.

Falls du eine Karte für die Wanderung benötigst, findest du sie auf der offiziellen Touristenseite des Alb-Donau-Kreises.

Vom Parkplatz bietet sich noch ein Abstecher zur Touristeninformation oder sogar zum Blautopf an, wenn du noch Zeit haben solltest und das Sofa nicht zu sehnsüchtig auf dich wartet.

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2 Comments

  • Das ist mal richtig super. Da hast Du in knapp 10 km mal so eben 42.000 Jahre durchwandert.
    Kann auch nicht jede von sich behaupten.

    • Danke dir Bianca.
      Und daneben ist die Landschaft richtig spektakulär an dieser Stelle und zeigt mal wieder, wie abwechslungsreich die Schwäbische Alb ist.
      Liebe Grüße
      Sonja

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