Tanz auf dem Vulkan – Der aktivste Vulkan der Erde liegt direkt vor unserer Haustüre

 Tanz auf dem Vulkan – Der aktivste Vulkan der Erde liegt direkt vor unserer Haustüre

Der Stromboli hat mich schon als Kind fasziniert, seit ich eine Dokumentation über ihn im Fernsehen gesehen hatte. Was ist so besonderes an diesem Vulkan? Er bricht regelmäßig alle paar Minuten aus oder spätestens nach einer halben Stunde und das 24 Stunden – 365 Tage im Jahr. Dies ist so außergewöhnlich, dass es sogar einen eigenen Fachbegriff dafür gibt: „Strombolianische Aktivität“.

Leider gibt es wie immer einen Haken bei der Sache: Hinkommen ist nicht so einfach. Der Vulkan liegt auf einer Insel im Mittelmeer. Keine Straße, kein Flughafen – nur Wasser soweit das Auge reicht.

Wie es trotzdem klappt, erfährst du hier:

Anreise

Der Vulkan Stromboli liegt auf der gleichnamigen Insel und ist ein Teil der Liparischen Inseln im Tyrrhenischen Meer. Diese Inselgruppe ist eine 200 km lange Vulkankette, die vom Ätna bis zum Vesuv reicht. Sie liegt nördlich von Sizilien und ist seit dem Jahr 2000 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Deshalb ist sie von Juli bis August sehr stark besucht. Ich war im Mai und kann diese Jahreszeit sehr empfehlen. Es hat weniger Touristen und es ist nicht so heiß. Es hatte trotzdem fast 30 °C – aber wer weiß, wie heiß es dort sonst wird?

Es gibt zwei Möglichkeiten auf die Insel zu gelangen: Einmal von dem Ort Milazzo auf Sizilien mit den Fähren der Firmen Ustica Lines / Siremar oder zweimal wöchentlich von Neapel aus. Die Fähre von Neapel benötigt mindestens 8 h. Viele Besucher machen auch Tagesausflüge von Lipari oder Vulcan, weiteren Inseln der Lipari-Gruppe. Doch ich wollte nicht hetzen und bin eine Woche dort geblieben. Zu den anderen Inseln kann ich deshalb nichts berichten.

Wichtig: Wenn du den Besuch planst, musst du unbedingt die Fährpläne checken, denn im Winter fahren die Schiffe nicht oder nur unregelmäßig.

Ich bin nach Catania auf Sizilien geflogen. Das ist von Stuttgart aus in nur 2 h erreichbar. Wenn du nicht morgens landest, dann ist es besser, eine Nacht in Catania oder Milazzo einzuplanen. Der Bus fährt zwar nur 2 h – aber ich hätte die letzte Fähre nicht erreicht, obwohl ich um 12 Uhr ankam. Mit Übernachtung ist das Ganze stressfreier und in Milazzo gibt es zudem eine schöne Burg, die man abends noch besichtigen kann.

Milazzo

Wenn du morgens die Fähre um 7:30 Uhr nimmst, brauchst du immer noch bis 10:40 Uhr bis du in Stromboli-Stadt ankommst. Die Fährfahrt ist eher wie Busfahren also kein Problem mit Seekrankheit. Man sitzt innen und bei mir war das Boot sehr voll und in einer Ecke wird das Gepäck auf einen Haufen gestapelt. Obacht mit Zerbrechlichem oder wertvollen Gegenständen. Die Fähre hält auch an den anderen Inseln und so hat man schon mal einen ersten Eindruck von der Umgebung.

Die Insel Stromboli besteht quasi nur aus dem Vulkankegel und ca. 600 Menschen leben hier. Stromboli-Stadt liegt im Nordosten und hier legt auch die die Fähre an. Die meisten Gäste wohnen dort, denn da beginnen auch die Touren zum Gipfel. Der Ort ist recht überschaubar und schmiegt sich an die Hänge des Vulkans. Die Straßen bzw. Gassen im Ort sind sehr schmal und nur in Strandnähe gibt es eine Straße, auf der Autos fahren können. Im Ort fahren Mopeds und Golfcarts. Wohnt man in einem der Hotels, wird man i.d.R. von der Fähre abgeholt und muss das Gepäck nicht selber tragen.

Im Norden befindet sich die sogenannte Feuerrutsche. Details dazu findest du bei der Beschreibung, für diejenigen, die nicht zum Gipfel möchten.

Der zweite Ort ist Ginostra mit ca. 30 Einwohnern. Er liegt auf der anderen Seite des Vulkans im Westen. Man kann Bootsausflüge dorthin buchen und durch die steilen Gassen bummeln. Bis hier sind auch schon mal Lavabomben geflogen, da die Entfernung zum Gipfel näher ist. Stromboli-Stadt ist bisher verschont geblieben.

Zum Thema Sicherheit möchte ich dich noch darauf hinweisen, dass es überall am Strand und im Ort Tsunami-Fluchtschilder gibt. Mache dich am Besten kurz damit vertraut, wo die Rettungswege hinführen. Dein Leben hängt vielleicht davon ab, denn 2002 gab es einen Tsunami mit zwei Wellen mit 20 m Höhe, die nach einem Hangrutsch in der Feuerrutsche entstanden. Ginostra wurde komplett getroffen und 6 Menschen verletzt. Ich möchte dir keine Angst machen, aber Vorsicht ist hier nun mal notwendig. Du bist schließlich auf einem Vulkan.

Die Tour zum Gipfel

Stromboli: Die Tour zum Gipfel

Alle Touren auf den Gipfel starten an den Kirche San Vincenco in Stromboli-Stadt. Hier kannst du die Tour vor Ort buchen. Es gibt verschiedene Anbieter. Die Gruppengröße ist auf 20 Personen beschränkt und alle starten gegen 18 Uhr. Die Anbieter stimmen sich ab, damit man unterwegs nicht aufläuft und warten muss. So starten sie mit 10 min. Zeitverzug. Das ist ok, da es ja kein Wettrennen zum Krater ist und oben trifft man sich dann sowieso wieder. Auch Stirnlampen kann man dort mieten. Denn das ist Vorschrift und sehr praktisch, wenn man keine eigene hat. Vor allem sind die auch sehr leuchtstark. Handy zum Beleuchten ist verboten.

Vorschrift ist ebenfalls festes Schuhwerk bzw. Wanderschuhe. Ich habe Leute mit Turnschuhen gesehen, aber normalerweise ist das verboten. Man kann ebenfalls Schuhe mieten oder sogar Schuhe im Ort neu und gebraucht kaufen.

Verboten ist es ebenfalls über 400 m Höhe ohne Führer zu steigen. Das ist lebensgefährlich. Also halte dich daran! 2019 bei einem größeren Ausbruch ist ein Tourist gestorben, der über der Linie allein unterwegs war.

Der Gipfel liegt in fast 1.000 m Höhe über dem Meeresspiegel (je nach Quelle 926, 918 oder 968 m). Die Tour beginnt gegen 18 Uhr und man ist ca. Mitternacht zurück. Der Aufstieg ist sehr anstrengend und nur geeignet, wenn man fit genug ist, 2.000 Höhenmeter (rauf und runter) zu schaffen. Doch mit dem Guide hat man ein gutes Tempo. Er läuft langsam und macht öfters Stopps, bei denen Infos zu Pflanzen, Geologie, Geschichte etc. gegeben werden.

Sinnvoll ist es, etwas zu essen mitzunehmen und sehr viel zu trinken. Oben angekommen muss man nämlich warten. Eine Jacke oder Kleidung zum Wechseln ist auch sinnvoll. Es dürfen nur 80 Personen gleichzeitig auf den Gipfel. In diesem Bereich gibt es Schutzhütten aus Beton, falls ein Ausbruch doch einmal stärker ist. Zudem bekommt jeder einen Helm, den man auch gerne aufsetzt. Am Krater hat man dann ca. 45 min. um den Vulkan in vollen Zügen zu genießen und Fotos zu machen.

Besonders schön ist es, dass der Krater nach Norden geneigt ist und man so die Möglichkeit hat, von oben in den Krater zu blicken. Bei mir war es so, dass ich über drei Löcher die brodelnde Lava sehen konnte und immer wieder spukte er aus diesen Löchern Lavebrocken oder fauchte nur mit Gas. Ganz selten hat man Pech und im Krater sammeln sich Rauchschwaden, die einem den Blick versperren. Ich hatte Glück – dafür war er zu meiner Zeit nicht sehr aktiv, d. h. nur drei kleinere Ausbrüche in den 45 min., die ich wie gebannt am Krater stehend verfolgte.

Der Weg nach unten war leichter, als ich mir vorstellen konnte. Er führt in Falllinie direkt in einem Vulkanaschefeld nach unten und ist sehr komfortabel. Bei jedem Schritt gleitest du weit nach unten und es ist lang nicht so anstrengend wie normales Bergabgehen. So stelle ich mir Tiefschneeskifahren vor. Bei mir hatte es schon wochenlang nicht mehr geregnet und es war so staubig, dass ich meine Füße nicht mehr sehen konnte. Ein echt ulkiges Erlebnis.

Wichtig: Packe alles vor dem Abstiegt weg, was du nicht benötigst (vor allem Kamera und Sonnenbrille). Alle bekommen Atemmasken und Schutzbrillen. Lavastaub enthält Glaspartikel und verkratzt somit alles, was ihm in den Weg kommt. Beim ersten Stopp hatte ich gefühlt 1 Kilo Asche in den Schuhen – deshalb trugen die Bergführer Stulpen. Einen Halt für das Ausleeren gibt es erst, wenn es sicher ist. Denn zwischen den Gruppen gibt es zwar Abstand, aber trotzdem kullern Gesteinsbrocken immer wieder nach unten.

Stromboli: Wer nicht zum Gipfel möchte, findet hier ein paar Tipps

Wer nicht zum Gipfel möchte, findet hier ein paar Tipps

Die Straßen im Ort sind sehr steil. Das sollten Leute, die nicht gut zu Fuß sind, einplanen.

Die Strände sind schön exotisch mit ihren schwarzen Steinen. Du fühlst dich zwar ein bisschen wie auf einem Grill, denn es gibt hier keinen Schatten, aber es ist herrlich, sich hier nach dem Wandern zu entspannen. Das Mittelmeer ist noch sehr sauber und die Unterwasserwelt intakt, dass sich Schnorcheln in jedem Fall lohnt. Ich konnte z. B. einen Oktopus beobachten. Und egal wo man wohnt, der Strand ist nie weit.

Es gibt alle möglichen Bootstouren. Man kann zum Beispiel um die Insel fahren, stoppt in Ginostra und hält an der Feuerrutsche. Wir wären nicht in Italien, wenn es hier nicht einen leckeren Wein in der Pause gibt. Es gibt auch Sonnenuntergangstouren direkt zur Feuerrutsche.

Zudem kann man einen Rundwanderweg zur Feuerrutsche ohne Führer machen. Man muss nur aufpassen, dass man nicht über die 400 m – Grenze kommt. Ab hier ist eine Führer vorgeschrieben und es gibt empfindliche Strafen, wenn man erwischt wird. Es hat aber überall Schilder, die einem die Grenze zeigen. Die Wanderung ist anstrengend, da es auch hier sehr steil ist.

Die Feuerrutsche ist quasi die Müllhalde des Vulkans. Der Krater ist nach Norden geneigt und alles, was er ausspuckt, kullert hier ins Meer. Die Wege enden am Rand dieses Geröllfeldes – weit genug weg von der Gefahrenzone. Trotzdem sollte man immer schauen, was der Vulkan so treibt. Auch die Schiffe müssen hier entsprechend Abstand halten.

Am Rand dieses Abhangs steht ein Observatorium und natürlich gibt es dort auch ein Restaurant. Man hat hier einen tollen Blick auf den Krater und kann hierher auch mit Golfcarts oder kleinen Autos kommen. Ich bin aber hergelaufen und kann deshalb nichts zu den Fahrzeugen sagen, bzw. wo sie starten. Der Vulkan ist nachts am spektakulärsten. Er spukt zwar den ganzen Tag, aber nur abends sieht man die Lavabrocken rot glühen. Es ist ein bisschen wie im Theater, denn die Leute, die im Restaurant sitzen, raunen und klatschen bei jedem Ausbruch..

Wer nichts essen möchte, kann sich unweit vom Observatorium einen Platz suchen. Die Besucher trudeln kurz vor Sonnenuntergang ein und verteilen sich so, dass man sich unterhalten kann oder für sich allein genießt. Es ist massig Platz für alle da. Die Möwen sammeln sich ebenfalls hier, um lautstark ein Schlafplätzchen zu suchen. Und wer weiß, vielleicht genießen sie auch die Show.

Man hört die Lavabrocken den Berg herunterkullern und ins Meer plumpsen, obwohl man sie gar nicht sieht (meistens nur den Staub, den sie beim Fallen aufwirbeln), das Meer rauscht und die Möwen klagen. Eine unglaubliche Stimmung. Immer wieder steigt schwarzer Rauch vom Krater auf. Man betrachtet den Sonnenuntergang und die Schiffe, die ebenfalls langsam herfahren. Ist es Dunkel, erkennt man die die roten Lavabrocken bei jedem Ausbruch neben dem tiefen Grollen des Berges.

Wunderschön, atemberaubend und einzigartig – und ein klitzekleines bisschen angsteinflößend! Aber wirklich nur so viel – das man den Respekt vor dieser Urgewalt nicht verliert.

Praktische Tipps:

  • Die Unterkunft unbedingt vorher buchen, da auf Stromboli die Anzahl der Gästezimmer begrenzt ist
  • Ich habe ein Mädchen getroffen, das am Strand geschlafen hat. Das geht also auch – wem es gefällt.

Ausrüstung:

  • Wanderschuhe
  • Evtl. Stulpen über die Wanderschuhe
  • Wanderstöcke
  • Stirnlampe
  • Lange Hosen
  • Warmer Pulli oder Jacke für den Gipfel – in jedem Fall Sachen zum Wechseln auf der Gipfeltour mitnehmen, da du bestimmt ins schwitzen kommst und es oben viel kühler als am Strand ist

Badeurlaub:

  • Stromboli hat tolle Strände aus schwarzem Vulkangesteinen
  • Die Steine sind rund, aber echt unbequem, wenn man barfuß darüber geht – also Badeschuhe nicht vergessen
  • Schnorchelausrüstung und Unterwasserkamera kann ich auch empfehlen (die Unterwasserwelt ist noch aktiv und wunderschön)

Sonstiges:

  • Bargeld – es gibt nur einen Bankautomaten auf der Insel und Kreditkarte wird selten akzeptiert
  • Stromboli ist eine Insel – man kann dort alles kaufen, es ist aber teuer
  • Medikamente und Reiseapotheke sind immer wichtig
  • Sonnenbrille – aber nicht die teuerste – der Vulkanstaub enthält Glaspartikel und die Beschichtung meiner optische Brille hat vor Ort den Geist aufgegeben – sie ist aufgeplatzt
  • Das Rückfahrticket mit der Fähre am Besten gleich mit dem Hinfahrticket kaufen – die Ticketschalter können nicht immer Tickets buchen, denn Internet gibt es sehr unregelmäßig
  • Wie oben beschrieben ist Internet nicht oft verfügbar. Im Café bei der Kirche San Vincenco hat man jedoch kostenloses WLAN – nicht gut – aber es geht. Außerdem hat man hier einen schönen Blick über die Stadt.
  • Eine Taschenlampe – der Ort hat nachts kein Licht – unglaublich oder? Einerseits toll – man hat einen unglaublichen Blick auf die Sterne – andererseits sind die Straßen nicht immer so einfach zu begehen, dass man ganz ohne Licht auskommt
  • Ein Stativ für den Fotoapparat
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