Saalfeld – Thüringens Renaissancestadt und Heimat der Feen

 Saalfeld – Thüringens Renaissancestadt und Heimat der Feen

Nach Wandertouren lade ich dich wieder zu Freizeittipps ein, die ich letztes Jahr während meines Deutschlandurlaubs sammeln konnte. Die Coronakrise lässt nicht wirklich nach und so sind Reiseinfos für Deutschland besonders hilfreich. Heute geht es nach Thüringen – um genau zu sein nach Saalfeld.

Wissenswertes zur Geschichte von Saalfeld

Saalfeld liegt am Fluss Saale im Süden von Thüringen und ist die Kreisstadt des Landkreises Saalfeld-Rudolstadt. Südwestlich der Stadt beginnt das Thüringer Schiefergebirge. Davon habe ich bereits in meinem Beitrag über Lauenstein geschrieben. Saalfeld habe ich übrigens direkt danach besucht.

Dieser Ort wurde doch tatsächlich 899 erstmals urkundlich erwähnt und zählt damit zu den ältesten Ortsgründungen in Thüringen. Heinrich II schenkte es dem Pfalzgrafen von Lothringen und 1071 ging es in den Besitz des Erzbistums Köln über. Nach der Gründung des Benediktinerklosters St. Peter und Paul entstand hier ein kirchliches Machtzentrum, das bis nach der Reformation 1526 bestand.

1346 erhielt die Stadt das Recht, in der Saale Fischfang zu betreiben, was du heute noch im Stadtwappen erkennen kannst. Dieses besteht aus 2 Barben auf grünem Schild. 1517 kam es zu einem großen Stadtbrand und der Wiederaufbau im Renaissancestil verleiht der Stadt ihr heutiges Aussehen. Das Rathaus wurde z. B. 1529 bis 1537 gebaut und die Münze 1551.

Herzog Albrecht machte 1675 Saalfeld zu seiner Residenz und begann 1677 mit dem Bau von Schloss Saalfeld. Dieses ist jedoch erst 1726 vollendet worden und steht heute an der Stelle des ehemaligen Benediktinerklosters, welches abgerissen wurde.

1806 fand der preußische Prinz Louis Ferdinand seinen Tod in der als „Gefecht von Saalfeld“ bekannten Schlacht. 14.000 Franzosen kämpften gehen das mit 9.000 Mann unterlegene preußische Heer.

1871 kam die Bahn nach Saalfeld und die Industrialisierung nahm ihren Lauf. Im Zweiten Weltkrieg war die Wehrmacht in Saalfeld stationiert und 1945 übergaben die US-Truppen den Ort an die Rote Armee und ab 1949 war er Teil der DDR.

Ein Stadtrundgang – was gibt es zu entdecken?

Am besten kannst du die über 1.000jährige Geschichte durch einen Stadtspaziergang erkunden. Einen sehr schönen historischen Rundgang findest du auf der Tourismusseite der Stadt.

Hier die Highlights

Der Hohe Schwarm

Der Hohe Schwarm ist der Überrest der aus dem 7. Jh. stammenden Burg. Ab 1208 diente sie den Grafen von Schwarzburg als Staufische Königspfalz und im 14. Jh. zogen die sächsischen Markgrafen ein.

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Das Wahrzeichen Saalfelds

Im frühen Mittelalter residierten Könige und Kaiser noch nicht an festen Höfen, sondern reisten von Pfalz zu Pfalz und von Burg zu Burg. Eine solche Burg war die als gotischer Wohnturm errichtet Anlage. Erst 1551 war sie so veraltet, dass angefangen wurde, sie als Rohstofflager zu nutzen und ihr teilweiser Abriss begann.

Nach der Wende wurde die Ruine 1995 bis 1997 saniert und so vor weiterem Verfall gesichert. Die Ruine gilt als Wahrzeichen der Stadt. Sie kann von 9 bis 18 Uhr besichtigt werden (im Winter bis 17 Uhr).

Das Höhnsche Haus

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Als Eckhaus ist das Höhnsche Haus leicht zu entdecken

Das Höhnsche Haus hat eine wunderschöne Renaissancefassade und war bis Mitte des 18. Jahrhunderts das Postamt. Es wurde 1606 gebaut und leider bei einem Brand 1911 schwer beschädigt. So ist das heutige Gebäude eine schöne Rekonstruktion, der du aber den Umbau nicht anmerkst.

Das Darrtor

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Das Darrtor ist eigentlich ein Turm

Das Darrtor ist ein Stadttor aus dem 14. Jh. und der älteste Tortum der Stadt. Damals war er Tag und Nacht mit Wachen besetzt, um den Zugang zur Stadt zu kontrollieren. Von oben hast du einen großartigen Blick auf die Stadt. Die Öffnungszeiten sind von 10 bis 17 Uhr.

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Das Blankenburger Tor führt dich in die Altstadt

Das Blankenburger Tor ist auf der anderen Seite der Stadt und noch heute eine beeindruckende Pforte, um die Innenstadt zu betreten.

Sonst noch interessant

Auch ein Abstecher in den Schlosspark ist lohnend, vor allem bei schönem Wetter.

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Im Schlosspark gibt es natürlich auch einen Schlossteich

Achte beim Besuch der Stadt auch auf die Stromkästen und sonstigen öffentlichen Installationen. Die sind hier nämlich wunderschön bemalt, was ich für eine geniale Idee halte – Freilichtgalerie bei Alltagsgegenständen.

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Stromkasten mal anders

Und wenn du genug von Gebäuden hast, dann solltest du einen Abstecher zur Saale machen. Halte hier die Augen auf, denn ich konnte eine Bisamratte bei der Morgentoilette beobachten. Es sind so hübsche Tiere – doch leider sind sie nicht heimisch. Es ist kein schöner Gedanke, dass sie ursprünglich zum Pelzgewinnen nach Deutschland gebracht wurden. Interessant ist auch, dass es keine Ratte ist, sondern eine Wühlmaus – hmm – ok – die doch ziemlich groß ist. Ach und sie stammt aus Nordamerika – du kannst es also auch mit englisch probieren, wenn du Angst vor ihr hast.

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Bisamratten sind Neophyten und trotzdem total süß

Die Feengrotte und ihr Besuch

Die Feengrotte liegt ein Stückchen außerhalb von Saalfeld – ist jedoch kaum zu übersehen, da sie überall in der Stadt angeschrieben ist. Dort hat es kostenlose Parkplätze. Aufgrund der Coronapandemie empfehle ich dir aber dringend die Öffnungszeiten und Vorgaben für deinen Besuch vorab zu checken. Es kann gut sein, dass sie aufgrund hoher Inzidenzzahlen geschlossen hat.

Aber von diesem Fall gehen wir bei deinem Besuch ja nicht aus. Um deinen Besuch zu planen, solltest du dir vorher überlegen, was du alles anschauen möchtest. Es gibt das Schaubergwerk, das Feenweltchen und das Erlebnismuseum Grottoneum. Das Schaubergwerk ist nur mit Führung zu besichtigen und da ich bei meinem Besuch nicht gleich einen Termin bekam, habe ich alles angeschaut.

Jeder Teil kostest extra Eintritt und es gibt auch Gemeinschaftstickets. Es ist sinnvoll, dass du dir das vorher anschaust, denn alles zusammen kostet im Augenblick z. B. 19 €.

  • Abenteuerwald Feenweltchen
  • Das Schaubergwerk
  • Erlebnismuseum Grottoneum

Abenteuerwald Feenweltchen

Das Feenweltchen ist das Highlight für Kinder bei diesem Besuch. In einem Wald gibt es einen angelegten Park mit verschiedenen Lebensbereichen für Elfen, Feen und Kobolde.

Du spazierst vom magischen Garten der Feenpflanzen leicht bergauf in den offenen Bereich der Elfenwiese. Hier hat es schöne Picknickplätze und Spielbereiche im Freien. Genial fand ich die Murmelbahn. Da wird jeder zum Kind und vor allem ich, denn ich liebe Murmeln.

Wenn du die Sonne genügend genossen hast oder dein Termin für die Stollenführung nahe rückt, dann gelangst du über den hellen Hein der Lichtelfen in den dunklen Wald zurück bergab. Dort findest du das Reich der Waldgeister. Aber Obacht, sie lieben es, dich zu fangen. Mich hat einer erwischt.

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Hüte dich vor Waldgeistern

Der gesamte Bereich ist nicht für Kinderwagen geeignet und auch für Rollstühle nicht möglich. Es sind nur Trampelpfade und zum Teil sind sie recht steil. Jedoch für Kinder und alle Kindsköpfe super schön angelegt.

Das Schaubergwerk

Nach meinem Besuch des Feenwaldes war ich also schon besonders gespannt auf den nächsten Teil der Tour und wurde nicht enttäuscht: Besonders witzig fand ich, dass die Besucher alle Mäntel und Zipfelmützen bekamen und so die ganze Gruppe wie eine Horde wilder Zwerge aussah. Große Besucher wie ich müssen aufpassen. Manche Stollen sind nicht sehr hoch.

Das Schaubergwerk lockt mit tollen Fotos von Tropfsteinen, ist in erster Hinsicht aber das, was der Name verspricht: Ein Schaubergwerk. Hier lernst du viel über die Bergwerkskunst und den Abbau von Alaun. Noch nie gehört? Sei beruhigt – ich auch nicht. Also bitte nicht enttäuscht sein, wenn die tollen Tropfstein-Grotten nur einen Teil der Führung ausmachen. Diesen davon aber besonders farbenprächtig. Versprochen.

Auf der Suche nach Gold, Silber und anderen begehrten Metallen fanden die Bergleute vor vielen Jahrhunderten ein gefragtes Gestein – den schwarzen Alaunschiefer. Mehr dazu erfährst du im Museum, dass ich dir wirklich empfehlen kann. Im Laufe der Zeit verwandelte die Natur die unterirdischen Hohlräume in eine farbenprächtige Tropfsteinwelt mit unterschiedlichen Grotten.

Die Führungen sind toll gemacht und für Kinder besonders zu empfehlen, da diese aktiv mit Fragen spielerisch einbezogen werden

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Wunderwelt unter Tage

Nachdem du nun viel gelernt hast, darfst du dich auf die Wunderwelt der Tropfsteine freuen. Die Natur hat hier mal wieder nicht mit ihrer Kunst gegeizt und märchenhafte Formen aus Kalk geformt und sie mit unglaublichen Farbtönen eingefärbt. Viele Grotten sind mit einem Wasserbecken versehen, so dass du den perfekten Spiegel für das Naturschauspiel vorfindest.

Bei Höhlenbesuchen muss ich immer an den Zwerg Gimli aus „Herr der Ringe“ denken. Im Buch besucht er ja die Tropfsteinhöhlen in Helms Klamm (kommt im Film leider nicht vor) und er wäre wirklich begeistert von der Schönheit hier.

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Tropfsteine in allen Farben – der einzigartige Teil der Feengrotten

Das absolut Beste ist aber, dass in einer Grotte eine Lichtprojektion zu Enyas „May it Be“ gespielt wird. Wenn du da nicht die Bilder von Mittelerde im Kopf hast und feuchte Augen bekommst, bist du kein Fan von J.R.R. Tolkien. Wer hier sein Handy oder seine Kamera zum Aufnehmen nutzt, hat nicht gelernt, die Magie eines solchen Momentes zu genießen.

Erlebnismuseum Grottoneum

Im Museum erfährst du nochmal so Dinge, wie ein Bergmann früher Licht machte, Tropfsteine entstehen und sie ihre Farben bekommen. Das wird dir im Schaustollen ebenfalls erläutert. Du lernst unterschiedliche Mineralien kennen und kannst sie unter großen Mikroskopen betrachten.

Alaun – das Wundermittel des Mittelalters

Alaun wurde schon von den Ägyptern als Brandschutzmittel verwendet. Die Römer benutzten es zum gleichen Zweck und zusätzlich noch als Deo. Die Florentiner Familie der Medici wurde reich damit, da es auch zum Tuchfärben notwendig war. Eine weitere wichtige Funktion ist die als Blutstiller und die Männer unter meinen Lesern kennen vielleicht die Salzstifte, die sie verwenden können, falls sie sich beim Rasieren geschnitten haben. Die kannst du übrigens im Souvenir-Shop erwerben.

Das Interessante ist, dass es Jahre dauerte, Alaun zu gewinnen. Der Alaunschiefer wurde gebrochen und mit großen Mengen Holz gebrannt. Danach wurde die so genannte Röstbühne durchfeuchtet und jahrelang der Verwitterung überlassen. Die Masse wurde anschließend in großen Holzbottichen weiter ausgelaugt und die Lauge zur Weiterverarbeitung ins Siedehaus gebracht. Hier wurde sie solange gekocht und eingedickt, bis das begehrte Salz entstand, auf dessen Handel sogar der Papst früher ein Monopol besaß.

Nach dem Besuch von Saalfeld, der Feen, Waldgeister und den Zwergen im Bergwerk hoffe ich, dass du einen erlebnisreichen Tag in Thüringen hattest und freue mich, wenn du bald wieder auf meinem Blog vorbeischaust und dich auch in den Newsletter einträgst.

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2 Comments

  • Liebe Sonja,

    für Deutschlandtipps bin ich immer zu haben. Im Moment entdecke ich noch meine nähere Umgebung bei kleinen Städtetripps oder Wanderungen. Ich hoffe, dass ich im Sommer auch mal wieder Städte mit Übernachtung bereisen kann.
    Das Feenwäldchen sieht ja goldig aus. In Höhlen gehe ich auch immer gerne. Sie haben irgend wie etwas Magisches. Liegt Rudolstadt bei Saalfeld? Da waren doch immer die tollen Festivals. Leider noch nie dagewesen, aber viel Gutes von gehört.

    Liebe Grüße
    Renate

    • Liebe Renate,

      Ich bin aufgrund Corona letztes Jahr in Deutschland geblieben und habe mir diese Ecke ausgesucht, da ich sie nicht kannte. Zuhause unterwegs bin auch sehr gern. Ich liebe es alles möglich zu erkunden und auf Entdeckungsreise zu gehen und wenn es nur in den Nachbarort oder in ein Museum ist. Das fehlt mir im Augenblick schon sehr.

      Dafür gehe ich gerade viel wandern, was du an den zahlreichen Wandertouren auf dem Blog sehen kannst. Durch den Urlaub bin ich jedoch weiter weg gefahren und konnte tolle Menschen in Deutschland kennen lernen und schöne Orte erkunden. Die Feengrotte mit dem Feenweltchen ist wirklich sehr schön gemacht und auch für Erwachsene ein Erlebnis.

      Rudolstadt ist in der Nähe und die Festivals habe ich leider auch nicht gesehen. Dafür das Schloss dort und es ist ein wirklicher Zufall, denn daran schreibe ich heute. Rudolstadt wird der Beitrag für kommende Woche.

      Liebe Grüße
      Sonja

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