Wo die Götter die Fjorde küssen – Nordlichter im hohen Norden

 Wo die Götter die Fjorde küssen – Nordlichter im hohen Norden

Ich liebe es, auf Reisen mit Leuten zu reden. Am Liebsten mit anderen Reisenden, um Tipps zu bekommen und Erfahrungen auszutauschen. Das ist besser als jeder Reiseführer, jedes Buch und jede Internetplattform.

Auf einer Reise – ich weiß leider nicht mehr wann – hat mir jemand von seinen Erlebnissen mit Nordlichtern erzählt. Wie er sie auf einer Kreuzfahrt gesehen hat und wie erhaben und unwirklich sie waren. Da reifte in mir die Idee, dass ich sie auch sehen möchte. Blöd nur, dass ich kein Kreuzfahrtyp bin. Da ich meistens allein reise, müsste ich Einzelkabinenzuschlag zahlen und bekomme vom eigentlichen Land kaum etwas mit. Vielleicht ein Vorurteil, aber so schaute ich nach einer Alternative.

Und dann ist da noch das Wetter im Winter. Womöglich zahle ich mehrere Tausend Euro und sehe nur Regen und Schneegestöber. Die Lösung: Ich mache es von einer Stadt aus. Städte kann man immer besuchen. Da ist das Wetter egal und Ausflüge ins Umland sind auch in der Regel leicht zu organisieren. Nur welche eignet sich hier am Besten?

Internet sei Dank. Tromsö ist die Nordlichthauptstadt überhaupt! Die Stadt hat einen Flughafen und liegt 400 km nördlich des Polarkreises. Das heißt im Klartext: Eine Stadt mitten in der Arktis und dass, obwohl sie nur zwei Flugstunden nördlich von Oslo entfernt liegt. Da sie so weit im Norden liegt, benötigt man keine besonderen Bedingungen, um Nordlichter zu sehen – nur eben klaren Himmel. Nordlichter kann man nicht vorhersagen. Details dazu findest du hier.

Den Flug habe ich im Internet gebucht und die Unterkunft ebenfalls. Die Nordlichttour habe ich vor Ort organisiert. Das kann man aber auch gut online, denn das örtliche Touristenbüro ist so überlaufen, dass sie gerne aufs Internet verweisen.

Ich empfehle eine Tour, die aktiv nach den Lichtern sucht bzw. sich nach den Wettervorhersagen entsprechende gute Stellen aussucht und auch längere Anfahrtswege in Kauf nimmt. Man kann Touren in allen Varianten buchen: Nordlichter mit Schlittenhunden oder Motorschlitten, mit Rentieren etc. Diese Art von Tour ist aber an einen bestimmten Ort gebunden. Es hängt aber vom Wetter ab, wo man die Möglichkeit bekommt, die Lichter zu sehen. Da Tromsö in der Arktis liegt, ändert sich das Wetter auch sehr schnell. Ich hatte Abende, da war es sternenklar und 30 Minuten später kam ein Schneesturm, mit einer Sichtweite von 5 m. Andersherum habe ich es auch erlebt. Und das Schöne an der Natur ist ja gerade das Unvorhersehbare. Aber lasst mich sagen, es hat sich gelohnt. In einer Woche habe ich 4x die Nordlichter gesehen und die ersten schon 1 Stunde nach Ankunft in Tromsö.

Aktivitäten vor Ort und sonstige Informationen:

Tourempfehlungen

Eins mit Tier und Natur – Hundeschlittenfahrt

Ich liebe Tiere und ein Highlight des Urlaubs war die Fahrt mit Schlittenhunden. Man hat die Möglichkeit, selber zu fahren und ich habe die längste Tour ausgesucht, die angeboten wurde. Wir waren zu zweit und jeder sollte genügend Zeit zum Fahren haben. Die Tour war 2 h und nach 1 h wurde gewechselt. Hundeschlittenfahren klingt vielleicht sehr schwierig oder sehr mutig. Aber es ist keines von beiden. Ich hatte zudem noch das Glück, einen Schlitten mit Rennhunden aussuchen zu dürfen. Und die waren so scharf auf das Laufen, dass einem das Herz aufging.

Stell dir vor: Nach tagelangem Schneefall hatte es morgens -20°C, über 1 m Neuschnee und die Sonne schien auf den traumhaften Pulverschnee. Keine Angst vor der Kälte: Wir bekamen Overalls, die über die andere Winterkleidung passten und bei Bedarf warme Schuhe. Jeder sah dann aus wie das Michelin-Männchen, falls du das kennst. Und wenn man selber lenkt wird es nicht kalt. Versprochen. Kalt wurde es nur am Schluss, als ich und meine Begleiterin die Plätze tauschten und ich die Fahrt bequem auf dem Schlitten genießen konnte. Aber mir ist immer kalt. Also bin ich kein Maßstab.

So also nun zu dem eigentlichen Fahren. Die Hunde und der Schlitten werden vor dem Start an einen Baum angebunden und zusätzlich mit einer Art Anker gesichert. Die Hunde freuen sich so sehr auf die Tour, dass sie ganz aufgeregt Bellen und an den Leinen ziehen. Die Schlitten haben 5 Hunde und der Hund an der Spitze (bei mir war es eine Hündin) ist der Chef. Er / sie gibt das Tempo für den ganzen Schlitten vor, außer du machst das. Denn der ganze Trick ist das Bremsen und die Gewichtsverlagerung in den Kurven. Und nie – ich wiederhole nie – den Schlitten loslassen, denn dann sind die Hunde samt Schlitten und allem was darauf ist, weg.

Zu Beginn hatte ich einen seltsamem Gefühlsmix aus etwas Furcht und sehr viel Vorfreude. Die Hunde zerren am Schlitten, ich stehe auf den Kufen und fühle mich ein bisschen wie der Clown, der jetzt gleich mit der Kanone in die Luft geschossen wird. Denn selbst durch die Kufen spürt man die unbändige Kraft der Hunde. Ich habe nur einen Doppel-Dorn als Bremse und keine Lenkung.

Das Gebell ist ohrenbetäubend und alle fiebern diesem einen Moment entgegen, an dem die Schlitten und die Hunde losgebunden werden. Ich stehe auf der Bremse und sehr sehr langsam lasse ich den Hunden freien Lauf, bis ich sicher stehe und ein Gefühl für das Fahren bekomme.

Wir brausen durch eine verzauberte Landschaft. Der Schnee glitzert und die Sonne lacht. Vergessen ist die Kälte und das mulmige Gefühl. Ich werde eins mit den Hunden. Fühle den Schnee und die Weite der Landschaft.

Sami – ein Volk der Rentierzüchter

Tromsö Nordlichter

Ich hatte das Glück eine sehr authentische Tour zu einer Samifamilie zu finden. Eigentlich schaute ich nach einer Tour mit Rentierschlitten. Ein bisschen auf den Spuren von Santa Claus wandeln. Die Schlittenfahrt war nur ein Teil davon. Aber der Rest war viel interessanter. Ein Schneesturm begleitete uns bei der Fahrt zu den Sami, die ein Stück außerhalb der Stadt ihre Weide hatten. Die Familie machte die Tour erst seit 5 Jahren und hat zu Beginn in einem großen Zelt ihre Traditionen vorgestellt.

Früher waren sie im Winter draußen bei ihren Tieren, doch jeden Winter haben sie viele an Fressfeinde und das Wetter verloren. Zum Teil bis zu 20 %. Nun haben sie angefangen, die Tiere einzuzäunen und zu füttern und die Touristen helfen dabei. Und zahlen auch noch dafür. Klasse Idee. Aber es hat wirklich viel Freude gemacht, in dichtem Schneegestöber auf die Weide zu gehen. Die Tiere sind eigentlich wild und keine Zoo- oder Streicheltiere und trotzdem kommen sie her und fressen aus der Hand bzw. aus den Eimern. Sie lassen sich streicheln, frei nach dem Motto: Du hast das Futter, also bist du nicht gefährlich.

Ich konnte auch lernen, wie man richtig ein Lasso wirft und habe Geschichten zu den Tieren am Lagerfeuer gelauscht. Die Sami redeten mit so viel Freude und Achtung von ihren Tieren, dass man die tiefe Verbundenheit spürte. Erstaunlich ist das Klacken, dass die Tiere von sich geben und keiner weiß, wo das Geräusch eigentlich her kommt. Wenn du leise bist, kannst du es hören.

Zudem erfuhr ich, dass mein Besuch hier auch etwas Positives bewirkt: Touristen bringen Geld und so werden die Gebiete, die als Weiden dienen, eher von der Norwegischen Regierung geschützt. Denn das Leben der Sami war nicht immer so gut wie heute. Lange Zeit wurde versucht, die Menschen in die Gesellschaft zu „integrieren“. Man verbot ihre Sprache und so wurden viele Traditionen vergessen. Nur bei dem Teil der Sami, der Rentiere züchtete, blieb es erhalten.

Es gab nämlich auch noch Fischer und Jäger. Zu der Geschichte der Sami habe ich sehr viel im Museum der Universität Tromsö erfahren. Durch das Interesse der Touristen hat sich das Leben der Sami komplett geändert und in anderen Ländern, wie z. B. Finnland, haben sich schon früher die Sami-Familien dazu entschieden, den Besuchern ihre Kultur zu vermitteln. Das Besiedlungsgebiet der Sami ist im ganzen Norden und nicht auf heutige Landesgrenzen ausgelegt.

So hat jeder etwas davon. Die Sami und ihre Tiere, die Natur, die wie seit Jahrhunderten als Weide dient und ich, die zufrieden im Rentierschlitten sitzt und die Landschaft betrachtet.

Die Schlittenfahrt war sehr gemütlich, denn ein Sami ging nebenher und führte die Tiere. Den Abschluss dieser Halbtagestour bildete das Mittagessen mit Rentiereintopf. Sehr lecker, da das Fleisch der Tiere sehr zart war. Am Lagerfeuer gab es noch mehr Einblick in das Leben dieser Familie und deren Traditionen. Erstaunliche und gastfreundliche Menschen. Sie sind blond und eigentlich hatte ich mir Eskimos, Samen oder Lappen immer anders vorgestellt. Für mich sehen sie Wikingern sehr ähnlich. Zumindest so habe ich sie mir vorgestellt – nur in anderer Kleidung.

Fjellheisen – Tromsös Hausberg

Der Fjellheisen ist 421 m hoch und Tromsö liegt diesem Berg direkt zu Füßen. Mit einer Gondel, die im 30-Minuten-Takt fährt, kann man bequem nach oben gelangen und den Blick genießen. Neben einem fantastischen Sonnenuntergang kann man auch hier Nordlichter sehen. Ich habe es zweimal versucht, aber immer zog ein Schneesturm herein und es gab keinen klaren Himmel.

Der Blick ist in jedem Fall einen Besuch Wert und man kann diesen besonders schön in einem Restaurant in der Gipfelstation genießen.

Museen – Die Alternative bei schlechtem Wetter

Ich habe vier Museen in Tromsö besucht. Ich glaube, es gibt nur noch eines mehr. Da es sich hier um das Militärmuseum handelt, habe ich es nicht angeschaut. Ich kann nur so viel schreiben, das es hauptsächlich um den Zweiten Weltkrieg geht und um den Kampf gegen die NS-Truppen und eines versenkten Kriegsschiffes. Natur und Kunst interessieren mich mehr.

Polaria

Tromsö Nordlichter

Beim Polaria fällt zuerst die Architektur ins Auge. Es sieht aus, als seien es umgefallene Dominosteine. Manch einer erinnert sich bestimmt noch an den „Dominoday“ im Fernsehen. Die Ausstellung hier ist sehr vielfältig. Es gibt kurze Dokumentarfilme zu Nordlichtern und zu der Insel Svalbard. Der arktische Rundweg hat neben allgemeine Informationen auch aktuelle Themen, wie schmelzendes Polareis, Klimawandel und künstliches Nordlicht.

Erstaunlich ist, dass hier auch ein Aquarium mit Kaltwasserfischen untergebracht ist und sogar Bartrobben beheimatet, die in einem innen liegenden Pool planschen. Bei der Fütterung machen sie nicht nur eingeübte Kunststücke, sondern die Tiere müssen mitdenken und können mitgestalten, was sie machen möchten. Am Schluss stellen sie die Tiere vor und zeigen, wie sie ihr Vertrauen gewinnen, um z. B. kleine Untersuchungen zum Gesundheitszustand vornehmen zu können. Interessant finde ich zudem, dass die Trainer ständig die Tiere wechseln, um sie nicht zu sehr an eine Person zu gewöhnen.

Polarmuseum

Tromsö Nordlichter

Das Polarmuseum sollte eigentlich Jagdmuseum heißen. Der Hauptteil der Ausstellung zeigt die unterschiedlichen Jagdmethoden für Walrosse, Eisbären und Wale. Kein schöner Gedanke. Interessant war die Führung, die hier angeboten wird. Der junge Mann brachte das Gemetzel mit einer gehörigen Portion Selbstironie rüber, so dass man doch das eine oder andere Mal schmunzeln konnte. Wenn du Jäger bist und dich jetzt vielleicht über meine Ausdrucksweise ärgerst, wirst du mir zustimmen, wenn ich erzähle, dass die Tiere immer so lange gejagt wurden, bis sie an dieser Stelle ausgestorben waren.

Ich persönlich fand die Ausstellung zu Nansen und Amundsen und den Wettlauf zum Nord- bzw. Südpol sehr interessant. Für alle die es interessiert: Ronald Engelbregt Gravning Amundsen erreichte als erster vor seinem Rivalen Robert Falcon Scott am 14. Dezember 1911 den Südpol. Und auch nur, weil er nicht der Erste am Nordpol sein konnte. Ganz schön ehrgeizig – oder?

Tromsö-Museum

Tromsö Nordlichter

Das Tromsö-Museum hat mir von allen Museen am Besten gefallen,. Hier gibt es eine große Ausstellung zu den Sami und ihren Traditionen. Die Wikinger sind ein Thema und Funde der Steinzeit und sogar Kirchenkunst werden ausgestellt. Es gibt Denkanstöße bezüglich Umweltzerstörung und Klimawandel und auch die Waljagd, die Norwegen immer noch betreibt, wird angesprochen. Besonders lustig fand ich den Anfang der Ausstellung mit mutierten Monstern, die eine Gruppe Kinder mit großen Augen bestaunte.

Kunstmuseum

Tromsö Nordlichter

Das Kunstmuseum ist nur etwas für reine Kunstliebhaber. Es liegt aber in der Nähe des Polaria und so schadet ein Blick hinein nicht. Es werden wechselnde Ausstellungen moderner Kunst gezeigt und man kann sich gut aufwärmen.

Sonstiges – Was passt noch in eine Woche?

Eismeerkathedrale

Ein architektonisches Glanzstück ist natürlich die Eismeerkathedrale. Ihre an Gletscherspalten erinnernde Fassade kann man schon von weitem sehen. Vor allem vom Hafen aus hat man einen sehr schönen Blick über den Fjord auf ihre 11 Giebeldreiecke. Auch das Innere ist sehenswert. Die blauen Buntglasfenster vermitteln das Gefühl, sich im Innern eines Gletschers zu befinden und durch das Eis nach draußen zu schauen. Es finden auch Konzerte am Abend statt. Diese kosten extra Eintritt.

Die Domkirche sieht man ebenfalls von überall in der Stadt. Sie ist eine der größten Holzkirchen des Landes und wirklich ein Prachtstück. Besonders gut gefallen hat mir, dass es in allen Kirchen in Tromsö nahe am Eingang ein kleines Café gibt. Zeit für ein Päuschen, um die Architektur zu genießen, im Reiseführer zu schmökern und sich aufzuwärmen.

Wer sich für Architektur interessiert, sollte auch einen Blick in die lichtdurchflutete und luftige Bibliothek werfen. Neben der aberwitzigen Treppenkonstruktion bietet sie Sitzgelegenheiten im Warmen und kostenloses Internet.

Das Perspektivet ist ein altes Gebäude, in dem man tolle Bilder zur Geschichte Tromsö anschauen kann. Klein aber fein.

Wem jedoch der Sinn nach der ganzen Kälte nach Heißem steht, der sollte im Blast vorbeischauen. Hier kann man den Glasbläsern bei ihrer Arbeit zuschauen und kommt – versprochen – ordentlich ins schwitzen. Im Laden daneben kann man auch gleich zum Shoppen gehen und Glasartikel kaufen.

Weitere Tipps:

Zu Fuß:

Wer gut zu Fuß ist, kann in Tromsö viel ablaufen. Ich liebe das, denn man entdeckt sehr vieles, was aus dem Auto, Bus oder Bahn zu schnell vorbei ist.

Zu Fuß kann man auch sehr gut zur Eismeerkathedrale laufen oder sogar zum Fjellheisen bzw. seiner Gondelstation. Da Tromsö im Westen der Insel Tromsöya liegt, hat man von der Brücke vor der Kathedrale einen herrlichen Blick auf die Stadt und auf den Hafen. Besonders schön kann man hier auch das Einlaufen der Hurtigrutenschiffe beobachten, die jeden Tag kommen und gehen.

Wunderschön ist es auch, die vielen Wege und Loipen zu erkunden, die quer über die ganze Insel laufen. Ich hatte z. B. die Gelegenheit, Norwegische Biathleten beim Laufen und Schießen zu beobachten. Interessant waren auch die Kindergärten, bei denen die Spielgeräte 2 m eingeschneit versteckt lagen und die Kinder trotzdem draußen spielten.

Und ganz exotisch, aber durchaus liebenswert fand ich es, das die Norweger am Meer bzw. Strand gegrillt haben. Es hatte 1 m Neuschnee und es war kalt. Die Sonne hat ein bisschen Wärme gespendet und alle waren gut drauf. Was will man mehr für ein BBQ?

Öffentliche Verkehrsmittel:

Wer außerhalb des Ortes wohnt, kann sich ein Tages- oder Mehrtagesticket für den Bus kaufen. Das lohnt sich in jedem Fall. Die Busse fahren sehr pünktlich und ausreichend oft.
Vom Flughafen nimmt man am Besten ein Taxi. Das ist zwar nicht billig, aber am Einfachsten.

Ich habe außerhalb der Innenstadt im Osten der Stadt gewohnt. Das hat sich als sehr gut erwiesen, da das Wetter bzw. die Schneestürme immer vom Westen kamen und wir hier oft besseres Wetter hatten. Zumindest kam es mir so vor. Und da ich außerhalb der Stadt gewohnt habe, habe ich dort mehrmals die Nordlichter direkt am Haus gesehen. Da alle Wege super ausgeleuchtet werden, war der verschneite Wald neben der Siedlung ein toller Ort, den Himmel zu beobachten.

Tipps zur Kleidung und was sonst wichtig ist

Tromsö liegt in der Arktis. Also ist es kalt. Aber nicht so kalt, wie du annimmst. Die Stadt liegt am Golfstrom und somit ist das Klima gemäßigt und zum Teil ist es im Winter wärmer als in Deutschland.

Trotzdem ist gute Winterkleidung elementar. Man ist ja viel länger draußen, als normal in Deutschland. Ich hatte meine Skihose dabei und viele Touristen sieht man damit. Die Einheimischen tragen Jeans und Turnschuhe. Aber die sind kein Maßstab. Meine Jacke hat gleich am 2. Tag den Geist aufgegeben. Also bitte check deine Sachen vorher.

Ganz wichtig sind wasserdichte Schuhe. Ich hatte nur „normale“ Winterschuhe aus Stoff. Das ist normalerweise ok. Doch als ich im Tiefschnee umher gelaufen bin, haben sie durchgelassen und kalte bzw. nasse Füße sind übel. Deshalb mein Tipp. Warme Schuhe mit einer Gummihülle.

Die Gehwege in der Stadt sind zum Teil beheizt. Ernsthaft. Somit sind sie oft schneefrei und nur nass. Das Problem sind aber die Straßen und zum Teil hat es dort blankes Eis. Spikes für die Schuhe sind deshalb keine schlechte Idee. Ich habe viele Einheimische gesehen, die das in den Schuhen integriert hatten. Klasse oder? Wegmachen muss man sie aber schon können, da sie in vielen Geschäften verboten sind. Aber es gibt ja Spikes / Ketten mit Gummizügen zu kaufen.

Mütze und Handschuhe müssen ebenfalls sehr warm sein. Vor allem da man ja auch nachts draußen ist. Die Nordlichttour ging z. B. von 18 Uhr bis 2 Uhr früh. Wir sind nur 1 h ans Meer gefahren und somit war ich fast 6 h im Freien im Schnee gestanden.

Apropos Nordlichter: Du möchtest Fotos machen? Klar. Dann aber nur mit Stativ. Und zwar ein großes, da du im Freien und wahrscheinlich im Schnee stehst. Alles andere ist nicht möglich, da lange Belichtungszeiten notwendig sind. Bei den Touren geben sie Tipps fürs Fotografieren. Keine Sorge. Das klappt ganz gut.

Nur mit dem Handy geht es nicht. Ich habe es probiert. Selbst meine Kompaktkamera kam an die Grenzen, da ich hier nicht alles so einstellen konnte, wie es notwendig war. Aber weißt du was? Da hat man mehr Zeit für das Genießen. Die Bilder habe ich von unser Tour bekommen. Das war super einfach. Sie stellen sie in einer Cloud zur Verfügung.

Hier noch ein Foto-Tipp: Ich hatte meine Skihandschuhe dabei. Aber mit denen kann ich die Kamera nicht bedienen. Deshalb hatte ich für die rechte Hand einen dünnen Handschuh. Denn ohne wird es verdammt kalt und ich kann mit kalten Fingern nicht gut arbeiten. Zumal es irgendwann wirklich weh tut.

Ich hatte auch meine Skibrille dabei. Das war ganz praktisch beim Schlittenhundefahren. Der Fahrtwind war eisig. Es hatte -20°C.

Und das wichtigste zum Schluss: Vergiss deine Sonnenbrille nicht. Du fährst zwar nicht in den Sommerurlaub. Doch weißer Schnee ist viel viel schlimmer als weißer Sand.

Und wenn du Ski fährst, weißt du, dass ein Klecks Sonnencreme auch nicht schadet. Vor allem die Lippen leiden bei der Kälte. Also ist auch ein Fettstift zum Mitnehmen nicht verkehrt.

Da ich Privat gewohnt habe, hatte ich auch eine Küche. Und da in Norwegen alles Essen sehr teuer ist, ist es auch nicht verkehrt, hier etwas mitzubringen. Fertigsuppen sind zwar nicht super lecker, jedoch schön warm und überbrücken bis zur nächsten Hauptmahlzeit. Und Spagetti gehen immer in einen Koffer.

Handy, Tablett und Laptop sind auch sehr praktisch. Vor allem, wenn man wie ich die Touren noch nicht gebucht hat. Das wollte ich vor Ort machen, denn nur da weiß man, wie das Wetter wirklich ist und bekommt evtl. Tipps vom Touristenbüro.

Auf das Handy habe ich mir auch eine App für die Nordlichtvorhersagen runtergeladen. Ich habe hier Norway Lights verwendet. Das ist einfach zu bedienen und es macht riesigen Spaß zu checken, ob Lichter möglich sind oder nicht. Das hängt ja von der Sonnenaktivität ab.

Als weitere App nutze ich immer Wetter.com und auch Karten wie map.me sind sehr praktisch.

Was ist das Nordlicht und wie entsteht es?

Ich habe jetzt immer Nordlicht geschrieben. Das kommt durch die Übersetzung aus dem Englischen. In Tromsö sprechen alle vom „Northern Light“. Genauso richtig ist auch Polarlicht, denn es leuchtet ja nicht nur im Norden.

Um es ganz wissenschaftlich auszudrücken: Im Norden heißt es Aurora borealis und im Süden Aurora australis. So nun weißt du auch das.

Aber wie entsteht das Polarlicht? Ich erkläre es mal mit meinen Worten und ich hoffe, dass mir alle Astronomen die einfache Erklärung verzeihen. Aber ich bin ja nur ein Weltenbummler, der etwas Wissen vermitteln möchte.

Die Sonne ist von einem heißen Plasma umgeben. Dieses dehnt sich und schrumpft wie ein geknetetes Gummiband, wenn die Sonne so vor sich hin köchelt. Oft einstehen Bögen, die weit ins All reichen. Diese Bilder kennt bestimmt jeder. Diese Bögen reißen manchmal ab und driften ins All. Dieses elektrisch geladene Plasma nennt man Sonnenwind.

Dieser Sonnenwind ist nicht ungefährlich und die Erde hat sich so viel Mühe mit der Erschaffung unseres vielfältigen Lebens gegeben, dass es schade wäre, wenn es jetzt durch die kosmische Strahlung gegrillt würde. Also hat sich die Natur einen Trick einfallen lassen und einen magnetischen Kern im Inneren der Erde versteckt. Dieser leitet den Sonnenwind um die Erde, wie ein großer Beschützer und er umfließt uns, wie das Wasser einen Stein im Bachbett.

Wäre das alles, dann würden wir leider nichts Besonderes sehen, was echt schade wäre. Die Magnetosphäre wird durch den Sonnenwind fortlaufende bewegt. Die sonnenzugewandte Seite wird eingedrückt und auf der sonnenabgewandten Seite wird sie zu einem langen Schweif gedehnt. Da sich die Erde dreht, entsteht eine wellenförmige Bewegung. Durch diese Bewegung werden Ströme induziert. Durch diese Energiefreisetzungen beginnen Sauerstoff- und Stickstoffatome zu leuchten. Dies geschieht entlang der Magnetströme in 80 km Höhe. Das Licht ist meistens grün, da es mehr Sauerstoffatome anregt. Rosa ist ein Zeichen von Stickstoff und ist leider nicht so oft zu sehen.

Wer viel Glück hat, sieht das Licht hell und sich schnell bewegend. Ich hatte eine außergewöhnliche Tour. Der ganze Schnee und das Meer leuchteten Grün. Die Enden der Lichtbänder leuchteten Pink. Es ist nicht einfach zu begreifen, dass kein irdischer Wind die Bewegung verursacht und eigentlich eine tödliche Gefahr der Sonne dahintersteckt.

Aber diese Gedanken kommen erst später. Wenn man es sieht, ist man eigentlich nur fasziniert. Ich kann gut verstehen, dass frühere Völker es für ein Werk der Götter hielten. Und wer weiß, vielleicht hatten die Wikinger recht und die Lichter sind die Reflektionen der Rüstungen der Walküren, die tapfere Krieger nach Walhall zu Odin brachten. Und die Geschichte mit der Sonne ist nur erfunden, damit wir Menschen uns keine Sorgen machen?????

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2 Comments

  • 👍👌Klasse Blog mit vielen tollen Vorschlägen und nützlichen, hilfreichen Tipps – da wird Reiselust entfacht, und wie man hier sieht, ob nah oder fern, es gibt überall etwas zu entdecken!

    • Danke für das Lob – von Dir freut es mich besonders.

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