Viadukt und Weißer Kocher – die extravagante Wanderung auf der Schwäbischen Alb

 Viadukt und Weißer Kocher – die extravagante Wanderung auf der Schwäbischen Alb

Nach Gastbeiträgen und den besonderen Freizeittipps möchte ich heute wieder eine großartige Wanderung vorstellen.

Die letzten Wochen waren außergewöhnlich warm und trotzdem entführe ich dich wieder in eine Winterlandschaft. Bei meiner Wanderung war so kalt, dass mir der Zoom am Fotoapparat einfror. Du siehst, ich scheue keine Mühen, für dich neue Wanderstrecken zu erkunden.

Die Wanderung ist wirklich etwas Besonderes, da sie auf einer alten Bahntrasse verläuft. Selbst ein wunderschönes Viadukt – sprich eine Brücke, die für den Bahnverkehr gebaut wurde – ist heute für Fußgänger zugänglich. Deshalb ist diese Strecke in der hügeligen Umgebung der Schwäbischen Alb besonders einfach zu begehen. Sie verläuft fast horizontal und bietet trotzdem zauberhafte Ausblicke in das Kochertal.

Das Viadukt

Das Viadukt ist Teil der Härtsfeldbahn, welche im Jahr 1901 fertig gestellt wurde. Die Härtsfeldbahn auch „Schättere“ genannt war früher die Verbindung von Aalen über Neresheim nach Ballmertshofen.

Unterkochen – Viadukt – Kocherursprung – Schwäbische Alb - Wandertipp - Baden-Württemberg - Deutschland
Viadukt der alten Bahntrasse Unterkochen

Die Brücke ist 85 m lang, besitzt vier Bögen von je 15 m und ist ca. 27 m hoch. 1972 wurde der Bahnbetrieb eingestellt und der Weg für Fußgänger und Wanderer zugänglich gemacht. 2003/2004 wurde das Bauwerk komplett für 250 000 Euro saniert und ist bis heute ein Zeichen für die Baukunst des vorigen Jahrhunderts.

Zur Wanderung

Die Strecke beträgt 9,9 km und dauert ca. 3 Stunden.

Am besten parkst du beim Naturfreundehaus Unterkochen, welches unser Startpunkt ist. Vom Parkplatz gehst du einen Waldweg leicht bergauf und biegst rechts ab. Der breite Weg führt nun waagrecht in Richtung Süden durch den Wald. In regelmäßigen Abständen laden Sitzbänke ein, die Aussicht zu genießen. Hier oben hast du einen tollen Blick bis nach Oberkochen und Aalen. Kommen Weggabelungen, dann bleibst du immer auf dem waagrechten Weg.

Unterkochen – Viadukt – Kocherursprung – Schwäbische Alb - Wandertipp - Baden-Württemberg - Deutschland
Du wanderst am rechten Weg weiter

Dein Wanderweg verläuft oberhalb der alten Bahntrasse. Durch die Bäume kannst du immer wieder einen Blick darauf werfen. Diesen Weg sparen wir uns jedoch für den Rückweg auf.

Du wanderst weiter und nach einer Weile führt der Weg leicht bergab und du betrittst die alte Bahntrasse. Vor dem Viadukt findest du eine Schautafel mit der Beschreibung der alten Härtsfeldbahn und deren Geschichte.

Du überquerst das Viadukt und danach verläuft der Weg in einem beeindruckenden Einschnitt mitten durch den Fels. Am Weg findest du weitere Hinweisschilder über den Wald und Waldrefugien.

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Die Bahntrasse wurde in den Fels gesprengt

Die Bahntrasse endet vor dem zugemauerten Ende des Tunnels. Du gehst den Weg wieder ein Stück zurück und folgst rechts dem Wanderweg bergauf. Es handelt sich um den HW4 Main-Donau-Weg.

Dieser führt dich zu einer Straße. Diese überquerst du und auf der anderen Straßenseite ist die Ruine Kocherburg angeschrieben. Auf mehreren Hinweisschildern wird die Geschichte der Wallanlagen und die prähistorische Burg beschrieben.

Die prähistorische Kocherburg

Die Burg lag an einer strategisch wichtigen Lage hoch über dem Tal des Roten Kochers an dem Verkehrsweg, der von Nord nach Süd durch die östliche Schwäbische Alb führte. Seit dem 6. Jahrhundert war das reiche Eisenerzvorkommen des Härtsfelds und des Albuchs bekannt. Dies führte schon zu einer Besiedelung im 5. Jahrhundert vor Christus.

An drei Seiten besaß die Burg einen natürlichen Schutz durch das Hochplateau und seine steil abfallenden Hänge. Der flache Nordosten wurde durch eine Wallanlage geschützt.

Du folgst dem Roten Dreiblock Richtung Ruine Kocherburg und gelangst so zur nächsten Hinweistafel. Diese beschreibt die Hauptwallanlage. Nachdem du den Wall durchquert hast, folgst du diesem nach links.

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Durchbruch durch die Wallanlage

Der Rote Dreiblock führt dich Richtung „Hohlen Stein“. Von dort kannst du den Blick in das Tal genießen. Pass hier aber auf, dass du nicht zu weit gehst, denn der Weg führt dich Richtung Tal weiter. Nachdem du die Aussicht genossen hast, gehst du wieder zurück und nimmst den ersten Waldweg nach links.

Diesem folgst du immer geradeaus. Die Kocherburg bzw. deren Ruine sind angeschrieben.

Die Burganlage bei Unterkochen

Erstmals erwähnt wurde sie im Jahre 1300. Sie gehörte zum Kloster Ellwangen und bildete die südliche Grenze das Ellwanger Territoriums. Im frühen 17 Jahrhundert war die Burg baufällig geworden und weite Teile davon wurden abgetragen. Ein dreigeschossiger Neubau, der mit den Steinen der alten Burg errichtet wurde, wurde 1632 vollendet. Jedoch schon 1645 wurde er von den Schweden im Dreißigjährigen Krieg zerstört.

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Ruine Kocherburg

Wie viele alten Gemäuer diente er danach als Steinbruch und so ist heute nicht mehr viel vorhanden. Bei meinem Besuch war die Ruine sogar so baufällig, dass sie gespart war.

Der Wanderweg links der Burgruine führt um sie herum und so kannst du wenigstens noch deren Rest bestaunen.

Der Rote Dreiblock führt dich nun bergab Richtung Unterkochen. Bevor du zur Straße gelangst, kannst du einen Abstecher links zu einer kleinen Marienkapelle machen.

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Marienkapelle

Danach gelangst du nach dem Überqueren der Straße zu dem Wanderweg, der nach rechts Richtung Weißer Kocher führt.

Von hier ist es noch ca. einen Kilometer bis zum Kocherursprung. Der Weg führt leicht bergauf rechts der kleinen Bäche in ein kleines Tal idyllisch über Brücken und Wanderpfaden. Der Bach wird immer wilder bist du schließlich zur Quelle gelangst.

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Der Weiße Kocher führt mit mehreren Bachläufen ins Tal

Der Weiße Kocher

Der Weiße Kocher ist der kürzere der beiden Quellflüsse des Kochers. In Unterkochen vereinigte er sich mit dem Schwarzen Kocher. Sein Name kommt durch das starke Gefälle bzw. das Aufschäumen des Wassers durch das starke Gefälle.

Der Kocher ist übrigens der zweitgrößte Nebenfluss des Neckars, der über den Rhein in die Nordsee entwässert.

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Die Kocherquelle

Das Wasser, welches du hier siehst, hat also eine lange Reise vor sich. Du aber nicht, denn du hast die größte Strecke bereits geschafft. Du überquerst den Bach über die Brücke an der Quelle und wanderst nun auf der anderen Talseite den Kocher entlang zurück.

Du kommst am Sportplatz vorbei und läufst nun auf der Straße „Eisenschmiede“ hinein nach Unterkochen. Du folgst der Straße bis zum Abzweig der Straße „Zum Viadukt“.

Hier biegst du rechts ab und wanderst leicht bergauf Richtung Viadukt. Davor zweigt ein Wanderweg rechts in den Wald ab. Es geht steil bergauf und du gelangst wieder auf die Bahntrasse vor dem Felsdurchbruch.

Den Weg kennst du nun, denn es geht zurück über das Viadukt. Diesmal bleibst du aber auf der Bahntrasse, denn du möchtest bestimmt einen anderen Weg zurückwandern. Er ist zwar nicht so anders, lohnt aber trotzdem. Hier hat es sogar noch bessere Aussichtspunkte mit Bänken, um den Blick zu genießen.

Der Weg endet am früheren Bahnhof, der nicht mehr vorhanden ist. Dafür gibt es dort einen Parkplatz. Du wanderst nun zurück auf der Straße Richtung Naturfreundehaus.

Ich hoffe, dass dir diese Wanderung zu den verschiedenen Highlights Unterkochens ebenso viel Freude gemacht hat, wie mir. Du musst ja nicht wie ich bei minus 15 °C wandern gehen.

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2 Comments

  • Hallo Sonja,
    eine tolle Wanderung und auch sehr schöne Fotos. Sehr schön beschrieben.
    Ich freue mich schon auf Deinen nächsten Bericht von einer Wanderung aus meiner alten Heimat.
    Liebe Grüße
    Iris

    • Liebe Iris,
      Danke für das tolle Feedback.
      Du darfst dich auf die nächste Wanderung freuen. Die wird nämlich heute (12.03.2021) veröffentlicht.
      Es geht um Trockentäler der Schwäbischen Alb.
      Eine weitere werde ich dieses Wochenende schreiben und dann kommt mal wieder ein anderes Thema dran.
      Die Wanderfreunde haben dann genug zum Testen 😉
      Ganz herzliche Heimatgrüße
      Sonja

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