Lonetalwanderung bei Sonnenschein und Schnee – auf den Spuren der Menschheitsgeschichte

 Lonetalwanderung bei Sonnenschein und Schnee – auf den Spuren der Menschheitsgeschichte

Sturm „Klaus“ zieht gerade über das Land als ich das schreibe und ich habe eben die Bilder meiner Winterwanderung angeschaut. Kaum zu glauben, dass es erst 4 Wochen her ist, dass der Winter uns mit seinen eisigen Temperaturen fest im Griff hatte. Am Tag meiner Wanderung war es Windstill und hatte -12°C. Die Luft war so frostig und ruhig, dass mich Eiskristalle in der Luft tanzend im Lonetal begrüßten. Unglaublich schön – wie Feenstaub aus dem Märchen.


Aber auch nicht ohne – nach der Hälfte der Wanderung, waren verschiedene Schalter am Fotoapparat eingefroren. Also immer Obacht auf deine Ausrüstung geben und besonders wichtig sind bei diesen Temperaturen volle Akkus für Handy und Foto (und ggf. Ersatz oder warme Innentaschen in der Jacke). Handschuhe und Mütze für dich selbst aber auch nicht vergessen, denn nicht, dass es dein Handy wärmer hat als du.

Was ist alt?

Nun fragst du dich vielleicht, wo der hochtrabende Titel herkommt? Wegen der Eiszeit und dem Wetter? Nein – oder vielleicht doch? Nein – wirklich nicht. Im Lonetal, nicht weit von unserem Startpunkt, wurde die älteste figürliche Kunst der Menschheit gefunden! Schnitzereien aus Elfenbein, die unter anderem ein kleines Pferd und ein Mammut darstellen – unglaubliche 40.000 Jahre alt. Du liest richtig und ich habe mich nicht mit den Nullen vertan. Vor knapp 2.000 Jahren wurde Christus geboren – falls du das glaubst. Die Pyramiden von Gizeh sind ca. 4.500 Jahre alt. Der Gletschermann Otzi war 46 Jahre alt, als er ermordet wurde, das war allerdings schon vor 5.300 Jahren.

So nun wird es richtig alt:

Vor ca. 17.000 bis 12.000 Jahren entstanden in Kleinasien die ersten sesshaften Gesellschaften und vor 30.000 Jahren starb der Neandertaler aus. Stell dir also eine Welt vor, in der Neandertaler neben dem Homo Sapiens also Neuzeitmenschen lebten und Mammuts und Wildpferde durch die Landschaft streiften, auf die du gerade blickst. Die Menschen lebten in kleinen Gruppen zusammen und wenn sie Zeit hatten, schufen sie Höhlenmalereien und kleine Figuren aus Elfenbein, die heute noch jedes Detail des dargestellten Tieres zeigen, so das dir beim Betrachten der Atem stockt. Beim Pferd sind es die Augen und die Nase und beim Mammut der kleine Schwanz. Schau dir die Originale an, wenn du die Gelegenheit bekommst. Hier bekommst du ein paar Infos dazu.

Aber ich schweife ab – Entschuldigung dafür. Aber ich wollte dich für die Besonderheit dieses Ortes einstimmen, denn genau hier sind damals auch die Menschen gelaufen, haben gejagt, gelacht und gelebt. Das ist schon ein besonderes Gefühl – findest du nicht?

Charlottenhöhle – was ist das?

Die Charlottenhöhle ist eine Tropfsteinhöhle, die mit 587 m Länge für Besucher zugänglich gemacht wurde. Die ist ca. 2,5 bis 3 Mio. Jahre alt und war schon seit 1591 in einer Forstkarte eingezeichnet. Die Hundsloch genannte Höhlenöffnung wurde von der Bevölkerung dazu genutzt, Tierkadaver zu entsorgen. Eine Mittelalterliche Tierkadaverbeseitigungsanlage also.

Erst im Frühjahr 1893 wurde sie von Emil Silher richtig erforscht, der Höhleneingang freigelegt und mit elektrischer Beleuchtung für Besucher vorbereitet. Die Tierknochen wurden vorsorglich entfernt – das war nicht so sehenswert. Und so wurde die Höhle am 17.09.1893 feierlich eröffnet. Königin Charlotte von Württemberg besuchte sie bereits am 23.09.1893 und du liegst richtig mit der Vermutung, das die Höhle nach ihr benannt ist.

Gleich neben dem Parkplatz liegt das Höhlenhaus mit der Höhlenerlebniswelt. Evtl. hast du am Ende der Wanderung noch Lust auf einen Besuch der Höhle. Die Besichtigung geht nur im Rahmen einer Führung und dauert ca. 45 min. Da es immer dieselbe Temperatur in der Höhle hat (um die 9°C), denke bitte auch im Sommer an eine Jacke und warme Schuhe.

Tourbeschreibung

So nun aber zu eigentlichen Wanderung:

Startpunkt ist der Parkplatz der Charlottenhöhle in Hürben. Die Länge beträgt ca. 8,5 km und die Gehzeit liegt bei ca. 3 h. Der größte Teil der Strecke verläuft auf breiten Feldwegen, führt über Straßen und nur ein kleiner Teil verläuft auf Wanderwegen. Kinderwagen könnte funktionieren, aber Rollstuhl nicht.

Nimm dir auf dem Parkplatz kurz Zeit, die Schilder und Infotafeln zu studieren und mehr über Wanderwege, die Stadt Giengen und die Brenzregion zu erfahren. Vom Parkplatz aus folgst du der Beschilderung Richtung Burgberg. Du wanderst über eine kleine Brücke auf den Waldrand zu. Hier biegst du rechts ab und folgst dem „Jakobswegle“. Hier findest du einige Hinweistafeln zum Jakobsweg in absteigender Nummerierung.

https://www.hoehlenerlebniswelt.de/index.php
Feldkreuz

Der Schotterweg endet mit dem Wald und du gelangst auf eine geteerte Straße mit dem klingenden Namen „Wasserstraße“. Hier hältst du dich an die Schilder nach Burgberg rechts. Du wanderst nun in einem Tal, dessen Hänge eine schöne Wacholderheide begrenzt. Kurz vor Burgberg erreicht das Sträßchen einen kleinen Bach. Das ist jedoch nicht die Lone sondern die Hürbe. Ein kleines Birkgenwäldchen umstellt auf der linken Talseite ein Feldkreuz, das auch mit Bänken zu einer Rast einlädt. Kurz danach kommt ein Spielplatz, falls deine Kinder nach mehr Beschäftigung Ausschau halten.

Hürben – Charlottenhöhle - Lonetal – Wandertipp – Winter
Eiszauber an der Hürbe

Kurz vor dem Ortseingang gelangst du zu zur Fatima-Grotte, die 1982 als katholische Gebetsstätte eingerichtet wurde. Das Pumpwerk auf der anderen Seite gehört zur Landeswasserversorgung und liefert Wasser bis nach Stuttgart.

Du wanderst weiter die Wasserstraße entlang, bis diese im Ort eine Linkskurve macht. Halte Ausschau nach den Moosgrünen Wanderschildern, denn diese zeigen dir den Weg zur Alten Mühle, dem du nun folgen solltest.

Hürben – Charlottenhöhle - Lonetal – Wandertipp – Winter
Mühle von 1344

Oberhalb der Mühle kannst du einen guten Blick auf das Burgberger Schloss werfen. Von hier ist es besser zu sehen als auf dem Rest der Wanderung. Nimm dir also kurz einen Augenblick Zeit dafür. Nachdem du die Mühle aus dem Jahr 1344 angeschaut hast, gehst du den Weg zurück Richtung Stetten. Achte auf den Roten Dreiblock und der Beschilderung Richtung Schloss Burgberg. Dieser folgst du durch ein Wäldchen steil bergauf. Oben gelangst du auf eine geteerte Straße und spazierst auf dieser nach rechts weiter dem Roten Dreiblock folgend. Das Schloss ist Privatgelände. Pass also auf, wo du hinläufst.

Hürben – Charlottenhöhle - Lonetal – Wandertipp – Winter

An einem großen Baum bieten Bänke wieder Gelegenheit für eine Rast und ein Tümpel daneben lädt zum Forschen ein. Bei mir war alles zugefroren und zu kalt zum Rasten und so geht es weiter Richtung Steinbruch der Firma Omya. Du läufst direkt auf ein riesiges Loch in der Landschaft zu und pass hier bitte auf.

Hürben – Charlottenhöhle - Lonetal – Wandertipp – Winter
Steinbruch der Firma Oyma

Bei mir war der Rand zwar mit einem Bauzaun gesichert, aber er war an manchen Stellen vom Wind eingedrückt. Die Steinbruchkanten sind sehr porös und es herrscht Lebensgefahr. Ich weiß, wovon ich schreibe! Als Landschaftsarchitekt hatte ich die Gelegenheit den Steinbruch nämlich von innen zu sehen. Sehr interessant übrigens. Ein Steinbruch bietet wichtige Lebensräume und um mir das auch zu zeigen, konnte ich sehr lange einer Dachsspur im Schnee folgen. Die erste, die ich überhaupt jemals entdeckt habe – genial, oder?

Hürben – Charlottenhöhle - Lonetal – Wandertipp – Winter
Wohin lief der Dachs wohl? Vielleicht zurück in seinen warmen Bau?

Dann bin ich so lange der Spur gefolgt, bis ich den Weg verlor, aber so was bin ich ja gewohnt. Irgendwann stößt du also rechts auf einen Wanderweg mit dem Roten Dreiblock Richtung Stetten. Eventuell musst du hier ein bisschen suchen. Sorry genauer kann ich es nicht beschreiben.

Hürben – Charlottenhöhle - Lonetal – Wandertipp – Winter
St. Ulrich

Durch den Wald schlenderst du nun auf einem Waldweg leicht bergab Richtung Stetten. Sobald der Wald endet, betrittst du das berühmte Lonetal. Spürst du schon das Alter der Landschaft? Hier folgst du einem Feldweg nach rechts und gleich wieder links. Der Weg macht nun einen Knick nach links und hält auf das Reihenseldnerdorf St. Ulrich zu. Die namensgebende Kirche siehst du schon von weitem. Sie wurde im Stil der Renaissance 1603 – 1605 errichtet.

Du wanderst nun auf bzw. neben der Straße wieder nach Hürben zurück. Wenn du möchtest, kannst du noch einen Abstecher auf die Burgruine Kaltenburg machen. Hier führt dich ein Weg mit Serpentinen nach oben. Ich war am Ende meiner Eiswanderung nicht mehr in der Stimmung, noch einen Umweg zu machen und habe mich direkt zum Auto aufgemacht. Wenn ich das jetzt in der Karte betrachte, dann ist es aber bestimmt genauso weit, denn über die Burg ist es der direkte Weg. Die Straße entlang ist es weiter, dafür ebenerdig.

Hürben – Charlottenhöhle - Lonetal – Wandertipp – Winter
Kaltenburg

Bei der Burg solltest du aber auf Geister achten. Das hat mir Fräulein Wolle verraten, aber wer weiß vielleicht spukt es im ganzen Tal. Die Geister von Mammuts und Mammutjägern sind in jedem Fall zu spüren – wenn du dich darauf einlässt und was eignet sich besser dafür, als ein eisiger Tag, der den damaligen Wetterverhältnissen in der Eiszeit wahrscheinlich sehr nahe kommt?

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2 Comments

  • Hallo Sonja,
    das sind wirklich traumhaft schöne Fotos die Du da gemacht hast. Auch die Erzählung ist Dir gut gelungen.
    Viele Grüße
    Iris

    • Danke Dir Iris,
      auf die Bilder bin ich besonders stolz. Es war so ein genialer Tag und es ist so schwer diese tolle Stimmung mit den Eiskristallen in der Luft und das Glitzern im Schnee festzuhalten. Es freut mich wirklich, wenn der Zauber dieser Wanderung rüber kommt.
      Liebe Grüße Sonja

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